Ankündigung
(Danke Martin für diese Worte)
Guten Tag, werte Damen und Herren. Es folgt:
Eine Ankündigung.
Ich habe vor einer Woche meine Medikamente abgesetzt. Alle. Das war erst ziemlich schlimm und stellt sich jetzt täglich als sehr reinigende Entscheidung heraus. Ich war in Berlin und obschon ich die Stadt noch immer nicht leiden kann, werde ich aus Gründen dort in spätestens zwei Monaten leben. Ich hatte dort Zeit, über ein paar Dinge nachzudenken. Unter anderem über dieses Weblog.
Zunächst dachte ich darüber nach, ob ich es so noch weiterführen kann, wie es jetzt ist. Ob mich die thematische Gebundenheit in ihrer Omnipräsenz einschränkt oder nicht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dem so ist und auch zu dem Schluss, dass ich dieses Weblog, so, wie es jetzt ist, nicht mehr weiterbetreiben werde und will. Zunächst dachte ich daran, es zu löschen, dann wurde mir aber immer klarer, dass es zu schade darum wäre und dass ich die winzige Hoffnung habe, dass hier auch ein paar Menschen mitlesen, denen einfach das Geschriebene und nicht nur das Thematische gefällt. Ich werde drueberleben also nicht löschen – es wird sich aber etwas ändern. Und zwar Folgendes:
Dieses Weblog wird sich öffnen, so wie ich es gerade tue. Es wird nicht mehr weiterhin eine Erkrankung im Fokus stehen, so, wie es bisher der Fall war. Es wird unter Umständen auch weiterhin darum gehen, wenn es sich richtig anfühlt und wenn ich das Gefühl habe, dass es (leider) mal wieder an der Zeit ist, darüber zu sprechen. Dieses Weblog wird aber nicht weiterhin Depressionen als Schwerpunkt haben. Warum nicht? Weil meine Welt sich ausgedehnt hat und ich meinen Blick nicht mehr auf diese Erkrankung beschränken will. Aus diesem Grund wird es hier ab heute mehr zu lesen geben. Mehr über Literatur, über Bilder und über Geschriebenes. Mehr über die Dinge, mit denen ich mich völlig unabhängig von einer Erkrankung beschäftige und nicht im ewigen Kontext dieser.
Ich bin mir sicher, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, diesen Schritt zu gehen oder hier komplett aufzuhören. Weil ich das wie gesagt sehr schade finden würde und mittlerweile sehr an diesem Blog hänge, muss ich eben diesen anderen Schritt gehen. Natürlich ist hier weiterhin jeder willkommen und es werden auch keine Einträge gelöscht werden. Ich würde mich sehr freuen, euch alle als Leser und Schreiber zu behalten und hoffe, dass dieser Schritt einer nach vorn ist – und einer raus aus der Stagnation und der (für mich) mittlerweile zu einschränkenden Thematik.
Auf ein neues drueberleben!
Kathrin

Find ich gut. Alles.
Klasse Entscheidung. Ich würde dich vermissen. Und ich halte dich auch aus, wenn es dir gut geht.
Ich freue mich über diese, Deine, Entscheidung und bin gespannt, auf alles, was da noch kommen wird. Auch ich bin grade im “Umbruch”, versuche mich ein Stück weit von meiner Krankheit (generalisierte Angsstörung mit schweren depressiven Phasen) zu lösen. Ich wünsche Dir alles Gute und drücke uns beiden die Daumen!
SUUUUUUPER! Ich freu mich so. Du bist so viel mehr als nur eine Krankheit und dieses Blog! Ich *liebe* Deine Texte.
Einziger Haken. Schöner fände ich zu kämst nach Köln, anstatt nach Berlin zu gehen
Richtig so und gut entschieden. Gefällt mir.
So egoistisch das klingt – schön, dass du und dein blog uns erhalten bleiben.
Sehr gut!
Nicht, dass mir das Geschriebene bisher nicht gefällt. Aber ich finde, wenn man mit Depressionen fertig werden will, dann ist es GERADE wichtig, dass sich nicht alles nur darum dreht, oder? Mach weiter, was dir Spaß macht und sich richtig anfühlt, das ist dann wohl auch das richtige in dem Moment.
Grüße.
Finde ich gut. Bin gespannt.
Gute Entscheidung, auf Medikamente zu verzichten. War auch eine meiner besten Entscheidungen.
Gute Entscheidung. Viel Glück.
Das ist wirklich total verrückt. Ich begann diesen Blog zu lesen (so ziemlich von Anfang an), als es mir hundelend ging und es hat mir u.a. wahnsinng geholfen zu merken, dass ich nicht alleine mit meinen Nöten bin. Und jetzt wo es mir aus vielerlei Gründen Gott sei dank endlich wieder viel besser geht, ich wirklich das Gefühl habe es bricht eine neue & leichtere Phase an, distanzierst du dich scheinbar auch erfolgreich von der Depression….Ich finde es wunderbar, dass du den Blog trotzdem erhältst und weiter schreibst, da würde einem sonst mittlerweile richtig was fehlen!! Und das der Inhalt sich verändert und wandelt ist doch einfach mal nur in den höchsten Tönen zu beglückwünschen!!!!
Gute Entscheidung, sehr gut.
Die Vorstellung, daß sich dieser Blog ausschließlich mit dem Thema Depressionen beschäftigen soll finde ich auch nicht gut. Für den Leser würde drueberleben ziemlich durchschaubar werden, für dich als Schreiber: Nun, du wuerdest dich nicht mehr als im Kreis drehen.
Depressionen sind für manche Teil des Lebens, aber Leben ist soviel mehr…danke, daß du deine Leser zukünftig an deinem Mehr teilhaben lässt.
Patrick
Gut, dass man nicht zum Stillstand verdammt ist, sondern sich weiterentwickeln kann und muss. Und noch viel besser, dass die Depression zwar ein Teil deines Lebens ist und vielleicht eines Tages nur noch irgendwann mal gewesen ist, aber auf alle Fälle jetzt erstmal nicht mehr dein Lebensmittelpunkt ist.
Ich freue mich auf dein neues drüberleben und wünsche dir viel Kraft dabei!
Wie schön! Da beginnt mein Gesicht zu lächeln!
Hi drüberleben,
akzeptable wenn auch ein wenig feige Entscheidung. Fackelträger wie Du sind zu selten geworden. Nur wenige wagen es, ein gesamtgesellschaftliches, sich exponetiell ausbreitendes Problem mit den schärfsten zur Verfügung stehenden Waffen, klug geführte Worte und trotz Emotionalität objektiv betrachtender Scharfsinn, eine Schneise in die auf Dummheit und Ignoranz basierender Sicherheit des “gesunden Teils der Gesellschaft” zu schlagen. Wir werden mehr. Klasse finde ich, dass du “Soma” abgesetzt hast. Das Drogenspektrum der Pharmaindustrie arbeitet zweckorientiert. Ich denke, das durch Dich viele erkannt haben, dass wir gegen das Problem unsere Sklaverei zu lieben angehen sollten. Man kann die Hoffnung nicht dauerhaft in die Büchse der Pandora einsperren. Das könnte der ein Vermächtnis und damit kleinste geimeinsame Nenner dieses Blogs sein.
Gar nicht krank ist auch nicht gesund; Wir haben Emotionen wir gehen nur anders damit um, handeln wie die Meisten und denken wie die Wenigsten.
Alles Gute
Guy Fawkes
das ist eine große, schöne sache! ich werde Dich weiterhin gern lesen. depressionen sind ja kein grund, traurig zu sein und andere welten nicht zuzulassen.
leider kennen wir uns noch nicht….
habe immer nur gelesen ohne etwas zu hinterlassen…
finde deine entscheidung sehr gut…
bin auch gerade im umbruch und freue mich für dich
lg
nur wer neues wagt und nach vorne sieht, kann sich weiterentwickeln. das heißt auch, dass man letztendlich an den punkt kommt, an dem man mit dem was war abschließen sollte. ein punkt, an dem man platz für neues schaffen sollte. ein punkt an dem man ankommt und sich sagen muss “das was war ist “vorbei”. es genügt, man hat genug darüber gesprochen und darüber nachgedacht. es wird zeit platz zu schaffen, so dass die krankheit nicht ständig der mittelpunkt des eigenen lebens ist. weil man in seinem mittelpunkt so viel mehr, so viel schöne dinge plazieren kann.” ich finde deine entscheidung sehr gut, sehr mutig. in dir steckt so viel mehr, ein ganz großes talent.
alles gute
Man fragt sich, wie jemand mit soziopathischen Depressionen gleichzeitig auf der Bühne und recht erfolgreich Poetry Slam Veranstaltungen abhalten kann? http://www.literaturtelefon-online.de/beitrag-wessling/beitrag-wessling.php – Das schreit nach FAKE und ist eine Beleidigung für Menschen, die wirklich Probleme haben
Liebe(r) K,
wärest du in der Lage zu lesen, hättest du längst mitbekommen, dass ich hier sehr oft darüber gesprochen habe, wie schwierig und kompliziert es war, trotzdem immer auf Bühnen zu stehen – und wie oft ich Veranstaltungen absagen musste deshalb. Und du hättest sogar auch mitbekommen, dass ich seit über einem Jahr so gut wie keine Auftritte mehr mache aus eben diesen Gründen.
Da du aber nur ein bisschen herumpöbeln willst und glaubst, hier krasse Erkenntnisse abzuliefern, die nicht längst jedem regelmäßigen Leser bekannt sind, blamierst du leider nur dich – und nicht mich. Sorry.
Im Übrigens kannst du dich gern mal hier umschauen: Es gibt hier tatsächlich den einen oder anderen Leser, der genau wie ich über lange Strecken “normalen Alltag” geschafft hat. Ich glaube, du musst da noch ein bisschen was zum Thema Klischee lernen.
Aufgrund deiner peinlichen Pöbelei gehe ich aber davon aus, dass dein Horizont vermutlich nicht ausreichen wird, um tatsächlich zu begreifen, dass zwei Dinge parallel existieren können. Aber da kann dir bestimmt jemand helfen.
Mach es gut und sei nicht traurig, dass du leider nur Dinge herausgefunden hast, die schon ganz, ganz viele wissen.
Deine K
PS: Es heißt übrigens “soziophob”, ich bin nicht soziopathisch. Du vielleicht? Ja? Dann kann dir vielleicht hier geholfen werden: http://www.gutefrage.net/tag/soziopathie/1
liebe deine texte und all das zwischen den zeilen, ebenfalls.
bin gespannt was kommt.
bis hier her hat mir sehr vieles geholfen, was ich lesen durfte…
weitermachen.
alles liebe.
liebe kathrin,
ich habe dein blog erst vor ganz kurzem entdeckt, und ‘gelesen’ wäre auch zu hochgestochen. vielmehr habe ich ihn durchstöbert und ein wenig quergelesen. und das mit interesse und empathie.
und dass sich nun etwas ändert, kann ich wegen meiner geringen teilhabe am alten kaum bedauern. ich begrüße die veränderung, weil sie mir dann auch den neueinstieg erleichtert, denn mit sicherheit werde ich hier nun öfter vorbeischauen. und ich beglückwünsche dich zu diesem positiven wandel. und berlin hat neben seinen ganzen nachteilen auch jede menge schöne seiten. http://kunstlehrerin.files.wordpress.com/2011/01/pmilebenberlin1.jpg
viele liebe grüße.
Ich frage mich gerade wie es dir psychisch geht. Ich finde es ist sehr schwierig über etwas anderes zu schreiben, wenn das ganze Leben im Schatten dieser Krankheit steht. Ich frage mich auch gerade, ob es dann so ehrlich ist, über was anderes zu schreiben.
Mein Blog über Depressionen schreibe ich schon seit fast fünf Jahren. Irgendwie war dies einer der wenigen Dinge in meinem Leben die ich regelmässig tat und die mir noch Spass machten. Zum Glück bin ich seit knapp 6 Wochen deprifrei. Aus dem Grunde hat sich natürlich auch mein Blog in eine andere Richtung verändert und der Blick ist nicht mehr nur auf diese Krankheit gerichtet.
Irgendwie bin ich glücklich nicht mehr nur über diese Krankheit nach zu denken, sondern so langsam entwickeln sich wieder neue Lebensperspektiven. Trotz allem denke ich, dass es in dem Sinne Heilung von dieser Krankheit nicht gibt, da sie latent vorhanden ist.
Ich bin gespannt über was du uns demnächst schreibst. Wie ich schon mal schrieb, mag ich deine Beobachtungsgabe und deinen sensiblen Blick auf diese Welt.
Ich habe noch was vergessen, was ich auch noch schreiben wollte. Ich kann es verstehen, dass du über diese Krankheit nicht mehr schreiben willst. Solche unsensiblen Menschen wie K. üben einen ungemeinen Druck aus. Mit der Veröffenlichung deiner Fotos und den Ort wo du lebst, hast du dich einer großen Öffentlichkeit ausgesetzt. Depressive haben allerdings meistens Probleme mit Druck durch andere klar zu kommen. Sie sind verletzlicher. Aus dem Grunde habe ich irgendwann verzichtet zu genaue Angaben über mich zu veröffentlichen oder ein Foto rein zu stellen. Irgendwie will ich mich bis zu einem gewissen Grade selbst schützen.
Aus dem Grunde lasse ich auch nicht mehr jede Meinung zu, die ins beleidigende oder verletzende geht. Da kann das Löschen von dummen Kommentaren sehr gut helfen.
Übrigens Poetry Slam finde ich toll.
Ich selbst dichte auch.
Pingback: METAPLOT | Drüberleben
Mir kommt es zwar immer noch komisch vor, Kommentare an Leute zu schreiben, die ich nicht kenne, aber so ein Blog mit Kommentamöglichkeit ist ja auch Austausch und deshaln schreib ich jetzt auch was zu deinem letzten Eintrag:
Es ist schön, wenn man Veränderungen zulässt und bewusst gestaltet. Das ist mutig und kraftvoll.
Allerdings finde ich es eine sehr krasse Entscheidung mit einem Mal alle Medikamente abzusetzen und eine Ankündigung auf Veränderung zu setzen. Ich finde es gut, dass du nun beim Schreiben über ‘Leben mit Depressionen’ den Fokus auf ‘Leben’ setzen willst. Denn das bedeutet auch ‘glücklich sein’ und ‘können’. Zum Leben gehört aber auch Scheitern und das ist, wenn man mit Depressionen lebt, noch schwerer zu akzeptieren. Ich glaube, dass alle, die diesen Blig lesen und dich kennen oder auch nicht eben, gerne weiter lesen, egal was da kommen mag. Eben weil es in ein Leben blicken lässt und zu Austausch anregt.
Puh, das war jetzt komisch zu schreiben. Hoffe, es kommt auch so rüber, wie`s gemeint war.
Alles Gute.
PS: K. ist doch ein Fake oder? haha Jedenfalls Danke für den Link, ‘K.’. Der Text der da gelsen wird ist einfach großartig! Und in dem Zusammenhang zu gerade: eine Leben in dem man sein eigenes wiedererkennt.
Das finde ich wirklich toll und bin schon jetzt sehr gespannt, was da kommen mag! Wenn jemand so einen wunderbaren Blog hat, dann kann auch bei Änderungen nicht viel Blödsinn, sondern nur Gutes dabei rauskommen.
Irgendwie ist mir noch nicht klar, warum du die Medikamente absetzen willst. Viele Depressive machen allerdings dann die Erfahrung, dass sie wieder depressiv werden. Ich sehe diese Antidepressiva nicht als Wundermittel an. Wunder gibts nur in der Bibel nachzulesen. Allerdings können sie Gesundungsprozesse im Idealfall unterstützen. Bei mir wirken Antifdepressiva nicht mehr. Dafür hilft mir die buddhistische Meditation. Die würde ich auch nicht absetzen, da ich sonst wieder depressiv werden würde.
Lieber Roman,
fällt dir auf, dass sich jeder deiner Kommentare nur um dich, deine Erfahrung und deine Krankheit dreht? Nein? Dann sei hiermit gesagt:
Idioten wie K gibts überall.
Niemand hat von Wundern gesprochen.
Ich nenne es nicht “depri” und ich bin auch nicht “deprifrei” oder eben doch. Ich beziehe nicht alles (so wie du) auf eine Krankheit. Ich habe noch ein Leben, das außerhalb davon da ist, lebt, sich bewegt, atmet und pulsiert. Zum Glück wieder. Ich sehe ehrlich gesagt nicht, dass du “nicht mehr über diese Krankheit nachdenkst”. Ich sehe nur, dass sich bei dir alles darum dreht. In jedem Satz, in jedem Eintrag, in einfach allem.
Bei mir eben nicht mehr.
Und das ständige wiederholen der immer gleichen Sachen hier (3 Kommentare über ein- und dasselbe) macht es nicht gerade überzeugender.
Viel Glück bei der Meditation.
Finde ich gut.
Sowohl die Entscheidung, den Blog zu erweitern, als auch den Umzug nach Berlin. (!)
Freut mich beides für dich (und mich) und ich werde weiterhin gerne mitlesen.
Viel Erfolg weiterhin und alles Liebe.
Hamburg ist der letzte Dreck, da hätte nicht einmal Strunk etwas rausholen können.
PS: Welche Medikamente abgesetzt werden interessiert doch keine Sau – viel interessanter wäre beispielsweise das Zusammenspiel von MDMA und Absinth.
Kein Mensch bin ich, der nach schlechten Jahren die Scheidung einreicht, weil ja nun zwangsläufig nur noch schlechte Jahre folgen können.
In diesem Sinne ist Drüberleben für mich zu keinem Zeitpunkt Tagebuch einer Depression gewesen. Mag die Weblogführerin das zu Beginn auch angedeutet haben. Selbst als man mir mailte, es mit einer kranken Frau zu tun zu haben, die unbedingter Schonung bedürfe, kommentierte ich hier, wie ich bei jedem kommentiere, dessen Worte mich berühren. Und ich empfinde es als äußerst angenehm, dass die Weblogführerin sich nicht verpflichtet fühlt, weiter depressiv zu sein, weil wir Leser sie hier als eine an einer Depression Erkrankte kennen und schätzen, vielleicht sogar lieben gelernt haben. Glücklich bin ich, dass Drüberleben weitergeführt wird.
In your face, Pharmaindustrie.
Bravo, die Entscheidung mit den meds. Ich kann nur den Hut vor deinem Mut ziehen.
Ist doch alles super!
Der Point.