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Archiv für den Monat August 2011

Das erste, an das ich mich erinnern kann, ist dieser Blick, der sich weitet, der die Augen aufreißt, das Hochziehen der Mundwinkel, die Laute, die sich im Wind verlieren, dieses erste Mal, das ein kollektives Erstes Mal ist, weil es allen so geht, weil sich niemand entziehen kann, weil alle Mundwinkel dieser Welt und alle Augen dieser Welt in diesem Moment gleich aussehen, Landungsbrücken raus, der Blick auf den Hafen, auf Stahlbeton und Wasser, auf Containerwüste und Docks, auf Fischgeschäfte und Touristenattraktion und das Gefühl, hier für einen Moment in all dem ganz alleine zu sein. Mit all dem.

Ich war achtzehn, als ich das erste Mal diese Stadt betreten habe und ich war zweiundzwanzig, als ich wiederkam. Ich hatte mich erinnert an all die Lichter, nachts um vier auf dem Hamburger Berg, kurz bevor es hell wurde, an den Hellseher, der sich plötzlich neben mich gesetzt und mir gesagt hatte, indem er meine Hand hielt und so tat, als betrachte er die Linien meiner Zukunft, das heißt die Linien meiner Hand, dieser Hellseher jedenfalls hatte mir gesagt, dass der Mann, neben dem ich saß zwar der Falsche, die Stadt aber die richtige sei. Und er hatte Recht behalten.

Mit zweiundzwanzig packte ich einen Koffer, zwei Taschen, eine Gitarre und eine Mappe voller Bilder ein und verließ die Stadt K., weil ich mich erinnerte an all das, weil ich wusste, dass ich hier zu Hause, dass ich hier hier hier sein möchte, muss, sein will. Es stellte sich als richtig heraus. Alles. Das Wollen, das Müssen, das Lieben, das Bleiben.

Was sich als falsch herausstellte, waren die Erinnerungen. Aber das ist eben immer so, dachte ich, das gehört dazu, nichts anderes sind ja Erinnerungen als Beschönigungen des Gesehenen, als das Umschreiben einer Zusammenfassung von Eindrücken, die längst geschehen sind. Ich habe seitdem in sieben Wohnungen in vier Stadtteilen gewohnt, von St.Georg bis Winterhude habe ich ziemlich viel gesehen. Ich war in beinahe jedem Stadtteil des inneren Rings schon einmal Kaffeetrinken, ich weiß, wo welcher Club ist, was in den Theatern gespielt wird, ich kenne die Museen, die kleinen und die großen und ich kenne die Spelunken und den besten Pizzabäcker der Stadt. Ich war im Sommer dort und im Winter, ich bin um und über die Alster gelaufen, ich habe Hamburg gesehen.

Was ich auch gesehen habe: das Schließen und Wiedereröffnen all der Clubs und Versuche, diesselben zu etablieren. Ich habe gesehen, wie nach und nach immer mehr Menschen, deren Arbeiten ich geschätzt habe, weggezogen sind, wie immer mehr meiner Freunde von Berlin, vom Ausland, von New York gesprochen haben. Das haben sie nicht getan, weil ihnen Hamburg zu klein, sondern bloß zu eng geworden ist.

Heute las ich folgenden Artikel in der Online Ausgabe des MONOPOL MAGAZINS, der sich damit beschäftigt, dass der Kunstverein Hamburg sich gezwungen sieht, zwei Auktionen zu veranstalten, in denen er Werke von u.a. Daniel Richter oder Jörg Immenhof   versteigert, weil er ab September nicht mehr in der Lage sein wird, die Gehälter seiner Mitarbeiter oder die Miete der Flächen zu bezahlen.

Wäre dies eine Ausnahme, so ließe sich das mit zwei weinenende Augen übersehen, WENN ja WENN es nicht mittlerweile zum Usus in dieser Stadt gehören würde, dass dererlei permanet in den letzten Jahren für Schlagzeilen um und über Hamburg gesorgt hat. Recht auf Stadt, ein Zusammenschluss mehrerer Initiativen, setzt sich seit langem dagegen ein, dass immer mehr Kultur, die abseits von König der Löwen, großer Hafenrundfahrt und Touristen liegt, die sich “die alte Flora” mal angucken wollen, weil der “Reiseführer gesagt hat, dass es hier so bunt und alternativ wäre” (über die Tatsache, dass “die Schanze” mittlerweile ein Ort für Mädchen und Jungs ist, die gerne viel Geld in Klamottenläden und Kosmetikshops ausgeben wollen, müssen wir ja gar nicht sprechen, ich weiß schon, Gentrification bla bla bla) verschwindet und Wohnraum schier unbezahlbar wird. Und nicht nur sie glauben, dass absurd steigende Mietpreise, die Schließung von immer mehr kulturellen Einrichtungen fernab vom großen Kommerz wichtig sind, nein, dass sie sogar den Charme dieser Stadt ausmach(t)en, der im Angesicht von Hafencity und Alsterfest immer mehr verblassen, weil nichts mehr übrigbleibt von den Menschen, die keine Atelierplätze mehr bekommen, weil es KEINE gibt, die bezahlbar wären, weil sie sich verdrängen lassen müssen von Großinvestoren.

Nein, auch all die Menschen, die jeden Tag versuchen, mit ihrer Kunst Geld zu verdienen, auch all die Menschen, die versuchen, in diesem Hochglanz-Kulissen-Prospekt-Ausschnitt, zu dem diese Stadt mehr und mehr wird, irgendwie finanziell zu überleben und trotzdem Kultur zu genießen, kennenzulernen, die noch bezahlbar ist, die noch unmittelbar und wild ist, wollen, dass dieser Irrsinn ein Ende hat. Hat er aber nicht.

Und ich habe lange überlegt, ob es sich lohnt, etwas darüber zu schreiben. Denn Schuld sind ja immer die anderen. Und in diesem Fall habe ich genau so mitgemacht. Ich habe einen Makler bezahlt, lebe in einer überteuerten Wohnung in einer besseren Gegend und damit habe ich genau so (und mit vielem anderen bestimmt auch) die Marketing-Campagne-Hamburg unterstützt. Aber je öfter ich in anderen Städten bin, je öfter ich (ja, ich weiß) in Berlin bin und sehe, was hier mit so viel weniger Geld, aber so viel mehr Gelassenheit möglich ist, desto mehr frage ich mich: Was ist denn Hamburg eigentlich noch mehr, als ein hübsches Abziehbild einer (ehemals oder nicht) reichen handelsstadt, die beschlossen zu haben scheint, dass alles Geld in Großprojekte fließen soll, die die Masse glücklich, den Kern aber vertrieben macht? Wie lange wird es denn noch kleine Räume geben, in denen es Aufführungen gibt, die nichts mit verkleideten, singenden Idioten zu tun hat? Wird das Schauspielhaus jetzt sicher bestehen? Und das Molotow? Was passiert denn, wenn selbst der Kiez mehr und mehr zu einer Filmkulisse der Erwartungen wird, die die Reiseführer anpreisen, die aber lange kaum noch Realität sind? Was passiert denn mit einer Stadt, die nur noch aus Pappmaché besteht, das zwar hübsch anzusehen, aber völlig hohl ist?

Die Liste der Einrichtungen (öffentlich und privat), die in den letzten Jahren bedroht waren von Schließungen oder Abriss oder beidem oder allem, ist schier endlos. Und jedes Mal half erst ein riesiger Protest, ein Aufschrei, bis etwas unternommen wurde. Das darf nicht so weitergehen. Liebe Hamburger: all das ist nicht mal plakativ, sondern nur ein winziger Ausschnitt all dessen, was hier in den letzten Jahren passiert ist. Kriegt eure Ärsche hoch und wehrt euch. Protestiert und gestaltet mit, zieht nicht einfach aus oder weg, sondern helft, dass unsere, diese Stadt nicht weiter verkümmert zu einem Investment-Projekt, das nur gut aussieht, aber jedwede Substanz verliert. Kämpft für Vielfalt und – wenn es nach mir geht und mir ist ganz egal, wie groß jetzt der Protest ist – boykottiert diesen ganzen Müll.

Mit polemischsten Dank für Ihre Aufmerksamkeit,

das Fräulein K.

PS: Dies ist a) kein Aufruf dazu, sich den stupiden Menschen anzuschließen, die regelmäßig Scheiben in der Schanze einschmeißen und glauben, dass das cool ist. Dies ist b) eher ein Aufruf, selbiges mal in den RICHTIGEN STADTTEILEN ZU VERSUCHEN WIE ZUM BEISPIEL DENEN; GEGEN DIE IHR PROTESTIERT, was ich natürlich als Metapher meine und nicht als Aufruf, ihr versteht schon und c) ist dies ein Aufruf, den Arsch vom Computersessel hochzukriegen (also ja, auch einer an mich) und sich zu wehren (womit ich diese Sache meine, die scheinbar nur ein winziger Teil der Hamburger kapiert hat) und d) alle im Artikel genannten Initiativen zu unterstützen, zu spenden und zu protestieren!

 

Tipptapptipptapp, watschwatschwatsch – niemand kann mit Worten ausschreiben, wie nackte Füße auf Holzdielen klingen. Schhhhhhhhhh – niemand kann mit Worten ausschreiben, wie die Bäume vor dem Fenster klingen, wenn der Herbst sie föhnt, bis ihnen alle Blätter abfallen.

Diese Wände, vier Mal vier Wand plus Flur, verstecken sich in der Stille eines Berliner Nachmittages vor dem Lärm, der eine Straßenecke weiter aus den Mündern der Passanten, der Hundeschanuzen und Kühlerhauben auf die Straßen fällt und dort im Boden versickert. Oder einfach verschwindet, wer weiß das schon. Diese vier Mal vier Wände plus Flur und Tür, diese Tür mit dem Kreuzfahrtschiffguckfenster, sind eine Herberge für all den Krempel, den man in Kisten packen muss, wenn man ihn mitnimmt in neue Wände, aber auch ein Kasten für zwei, ein Versteck für zwei, die keiner irgendwo hinein packt und die niemand einfach mitnimmt.

Drei Mal ein Jahr und ein verflixtes dazwischen, vielleicht auch zwei, aber auf jeden Fall drei, das haben wir gezählt. Weil Menschen Zahlen brauchen, die sie sich aufschreiben, die sie sich gegenseitig in die Münder stopfen, damit oben etwas ankommt, das einer Information gleicht und eigentlich nur Gefühl, nur Irratio, nur Abbild einiger wirklich guter Momente ist. Oder ein Bezug dazu. Müssten wir umschreiben, was wir an den Händen halten, dann wäre das bloß Stottern, ein Stotterbrei aus Wortpüree.

Die Müdigkeit, die sich zwischen die Tage drückt, malt unter unsere Augen mit hellgrauem Pulver Schattengebilde nach und trotzdem nennen wir das Glück, waum auch nicht. Zum Glücklichsein gehört gerade einfach eben:

Beben, lange Haare bekommen, Strähnen um Finger, Worte in Mündern drehen, auf ein Bier im Tier, Händchenhalten in U-Bahnen und Bilder voller Herbst und Irrsinn, die richtigen Ziffern auf dem Display und einfach mal “Halt die Fresse” sagen, wenn man denkt, dass das jetzt genau das ist, was man sagen sollte, anstatt es immer nur zu denken.Und niemals, niemals, niemals schlafen, bis der Tag nicht ausgewrungen ist.

Ich erkenne deine Schritte im Hausflur, dein Tritt, deine Schlüssel, das Geklimper damit. Ich weiß, wann du kommst, wann du nach Hause kommst, das zu Hause ist, wann du den Mund öffnest und den Arm hebst, wann du lächelst und wann du seufzt und wie gut das ist, wenn es genau so ist, wie es immer ist. Ich kenne deinen Geruch und die Atemzüge deiner Haltlosigkeiten, ich kenne deine Zuversicht und dass du tragen kannst, was dir auf die Schultern fällt. Ich kenne deinen Geschmack und deinen Kleiderschrank und wann es Zeit ist, die Türen zu öffnen und zu schließen, zu gehen, zu warten, wiederzukommen. Ich kenne den Moment, in dem alles auf den Boden fällt, was man nicht tragen soll und ich weiß, wie ich es vom Balkon werfen kann zu dem Rest auf der Straße. Niemals würde ich brechen, was ich zusammengeklebt habe und niemals würdest du wegwerfen, was wir gefunden haben und niemals würde jemals nichts nirgendwo Grund geben, es besser zu machen und genau dann sollte man zu sich selber sagen: “Halt die Fresse.”

Hier, ich werfe dir meinen Kopf zu Füßen und den Teil meines Gehirns, der alles will, ich werfe dir mein Glück hin und die Lieblingsvase auch, ich werfe mich zu dir aufs Bett, und in Gedanken in Schale, in die Schale, die wir beide so lachhaft hässlich finden. Nimm alles, was du kriegen kannst, denn das ist alles und alles ist genug und lieb mich, lieb mich, lieb mich, bis es wehtut und so weiter. Ich bastle uns einen Ring aus Kronkorken und Knallpapier, einen Traualtar aus Pappmachè und Flitterwochen auf Campingstühlen am Komersee. Ich bastle dir ein Leben, wie es uns gefällt, eine Liebe, die nie hinfällt, wenn sie sich die Knie aufschürft und wenn wir tanzen, dann treten wir im Grunde alle weg, ich glaube ich will das, weil ich an Wollen glaube und weil du alles bist, alles und einer und meiner und mir und mich und ich.

 

Wrrrrrrrrrrr – niemand kann das Geräusch aufschreiben, das vier Augen machen, wenn sie staunen, aber jeder kann das Geräusch aufschreiben, das zwei machen, die sich

 

 

 

 

 

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Es gibt ja zwei Arten von Druck: den inneren und den äußeren – gehen wir davon aus, dass wir uns hier in einem metaphysischen bis sozio-psychologischen Rahmen bewegen und dabei also nicht von “Druck” im Sinne von messbaren Einheiten sprechen, die ja “Bar” genannt werden (auch, wenn es verlockend scheint, ein Wortspiel mit “Bar” und “Druck” und der Nicht-Bewältigung desselben zu schreiben, aber das ist ja dann auch irgendwie wieder lächelrlich), gehen wir also davon aus, dass dieser Kontext gesetzt ist: Es gibt den Druck von Außen und den von Innen.

Ich zum Beispiel bin ein Druckmensch, der es scheinbar auf eine sadistische und sich immer wiederkehrende Art und Weise liebt ja geradezu obsessiv verfolgt, sich immer bis zum letzten, bis zum allerallerallerletzten Moment Zeit zu lassen, damit der Druck, den ich vorher schon im Innen gespürt habe, so arg wird, dass er auch im Außen endlich spürbar ist (“Wenn das nicht bis morgen fertig ist, passiert was!”, “Dritte Mahnung” etc.), was dazu führt, dass ich mich selber regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und an den noch viel gefährlicheren Rand des noch Machbaren dränge und mich in eine Lage bringe, die schier wahnsinnig ist: Ich bin gestresst, muss nächtelang all das nachholen, das ich schon vor Monaten hätte machen sollen und drehe völlig durch, weil ich mich daran erinnere, dass es für diese ganze Situation absolut und total nur eine Verantwortliche gibt: ICH! ICH! ICH allein!

Dabei ist zu beobachten, dass ich in den Wochen zuvor ja auch nicht besonders glücklich war (was diese Situation angeht) – bin ich doch ein Mensch, der sich dieser Dinge schmerzlich bewusst ist und schon Wochen vorher WEIß, dass das alles so kommen wird, sich also Wochen vorher schon schlecht deshalb fühlt, es aber trotzdem vorzieht, sich lieber ins Bett zu legen, “Die Sopranos” zu sehen, mit einem schlechten Gefühl im Bauch, das aber so wohlig warm überdeckt wird von der Bettdecke, dem Kakao und dem süßen Gefühl des Müßiggangs. Kennt man ja alles, hat man ja alles schon mal gehört, muss man jetzt auch nicht weiter beachten, wir sprechen hier nämlich nicht über “Prokrastination”, da habe ich jetzt mal so gar keine Lust drauf (witzig).

Vielmehr möchte ich eine Ebene tiefergehen und mich fragen: Gibt es Menschen, die tatsächlich nur mit Druck arbeiten können? Die – wie ich- sich beinahe quälend lang ablenken, über Wochen, Monate, Jahre, um dann kurz vorm Ende so richtig in der Panik aufzuerstehen und da Dinge vollbringen, für deren Schaffen man eigentlich Wochen braucht. Und noch etwas: Dieses nagende Gefühl, das sich bei mir unweigerlich anschließend einstellt ist so wohl bekannt, jedoch frage ich mich: Bin ich eigentlich die Einzige, die am Ende immer denkt: Wenn ich so viel in so kurzer Zeit schaffen kann und das so gut wird, warum kann ich das dann nicht immer so machen und viel wichtiger: was hätte ich dann erst in der ganzen Zeit schaffen können, hätte ich mich mal zusammengerissen?

Nun habe ich eine wundervolle Ausrede, die es mir ermöglicht, beinahe zu viel vor mir selber so lange zu rechtfertigen, bis die endliche Frage nach der Beendigung des Prozesses unausweichlich bleibt. Vorher aber kann ich sagen, dass ich eben sehr viel nachdenke, sehr viele Bücher lesen muss und mich Filme auf neue Ideen bringen. Das geht, das glaubt mir jeder und ich mir auch. Jetzt gehen wir aber mal von dem Fall aus, dass ich für etwas ausnahmsweise mal einen angemessenen Zeitrahmen zur Verfügung habe, der den richtigen Druck von Außen und von Innen in eine Balance bringt, es mir also ermöglichen sollte, endlich einmal konstruktiv, nachhalig und würdevoll zu lernen, mir Zeit richtig einzuteilen. Klappt das? Nein, das klappt nicht. Am Ende sitze ich wieder genau so da wie zuvor, nämlich kurz vor gehtgarnichtmehranders alles fertig machen zu müssen, Mahngebühren zahlend oder Kunden vertröstend, was auch immer. Kann man, also ich, jetzt daraus schließen, dass ich tatsächlich nur unter Druck arbeiten kann? Vorweg: Kommentare wie “Blablabla, same story as usual” und so fort: witzig, aber dann auch mal einen konstruktiven Vorschlag, WIE ZUM TEUFEL MAN SOLCHE DINGE ANDERS REGELT, ALTER!

Schlussendlich gelange ich mehr und mehr zu der Überzeugung, dass es sich bei diesem Problem um genau das gleiche handelt, dessen Phänomen allseits bekannt ist: das zu spät kommen. Hier haben Wissenschaftler herausgefunden, dass es meist daran liegt, dass bestimmte Menschen den Weg einfach nicht mit einberechnen und deshalb regelmäßig und dauernd zu spät kommen. Egal, wieviel Mühe sie sich geben: sie planen immer den Weg zu kurz ein oder eben erst gar nicht. Das geht mir auch so, schließlich komme ich aus einem kleinen Dorf, da kann man ja wohl nicht verlangen, dass mein Kopf versteht, dass ich in Berlin oder Hamburg plötzlich immer eine Stunde brauche, um zu jemandem oder etwas zu gelangen (ich bin auch ein wenig dumm), wenn ich vorher in einer Stunde schon in der nächstgrößeren Stadt angekommen wäre. Vielleicht verhält es sich aber mit dem Druck und dem Ziel, das gelungene Produkt, genau so: Menschen wie ich planen nur das Ziel ein und dass das schon ganz klar vor Augen steht ist Ehrensache, schließlich arbeiten wir selbstständig, kreativ und mit klugen Köpfen, im besten Fall unseren eigenen. Vielleicht glauben wir einfach, dass, weil das Ziel ohnehin so klar ist, der Weg dorthin viel kürzer ist, als realistisch anzunehmen wäre. Nur so eine Idee eines Kopfes natürlich, der gerade eigentlich an etwas ganz, ganz anderem schreiben müsste. Und ihr so?

(Und als musikalische Untermauerung: )

Guten Tag, guten Morgen, gutes Leben, oder?

Lange war es still hier und überhaupt, sollte sich wohl mal ändern, was? Nein, sagt die Gehirnhälfte, die gerade daran arbeitet, ein Buch fertig zu schreiben und Ja! sagt die andere, die auch mal wieder gerne etwas anderes schreiben würde. Zum Glück!

Hallo, also, hallo ihr alle. Ich befinde mich in diesem Moment in einer Wohnung in Neukölln, die allerdings nicht meine Wohnung ist, sondern die des Mannes, wohingegen sich meine Wohnung genau (moment, ich schaue mal eben nach) 303 Km weiter Nördwestlich befindet, nämlich in Hamburg. Überraschung! Ich bn also tatsächlich doch in Hamburg geblieben, wobei man sagen müsste, also ich sagen muss, dass ich vielmehr sehr kurz, das heißt meine Sachen sehr kurz in Berlin waren, bis ich mich entschied, alles wieder rückgängig zu machen und sie zurück ins Zentrum meines Herzens (ja, ja) zu transportieren, nämlich zurück nach Hamburg.

Eine ziemlich gute Entscheidung nebenbei bemerkt, denn alles ist gut, so gut, dass es nicht mal wehtut. Hamburg ist zauberhaft, Berlin ist zauderhaft und dazwischen fahre ich hin- und her in Zügen der Deutschen Bahn und in Autos, die nicht meine sind. Ich entdecke zwei große Welten und eine kleine neu. Sie dürfen sich aussuchen, was damit gemeint ist.

Dass hier gerade nicht sehr viel passiert liegt hauptsächlich am wilden Leben und nebensächlich daran, dass ich zur Zeit das Experiment wage, völlig ohne WLAN und Fernseher auszukommen (in Hamburg) und das erstaunlich gut funktioniert. Sie werden sich also damit begügen müssen, selten(er) etwas hier zu lesen, was aber natürlich nicht im Mindesten die Qualität beeinflussen soll. Sehen Sie: ich schwadroniere, komme aber alsbald zum Punkt: Mir geht es ausgezeichnet, das Wetter ist mir doch egal und zumindest Berlin tut in diesem Augenblick so, als gäbe es einen Sommer. Lasst es euch allen gut ergehen und bis bald, wenn es auch mal etwas zu sagen gibt!