Bin ich hässlich oder was?

 

Es gab mal diese Seite im www, ich weiß nicht, ob sie noch existiert, jedenfalls gab es diese Seite, auf der sich Menschen “bewerten” lassen konnten. Nicht, wie lustig, klug, sensibel oder belesen sie sind, sondern wie heiß sie aussehen. Ähnliches gab es auch für “Coolness”. In diesem Fall ging es dann nicht darum, wie hübsch man ist, sondern bloß darum, wie cool man aussieht. In den Augen der Betrachter selbstverständlich. In den Augen von Menschen also, die es ebenso wie diese Personen für nötig ersehen, Bilder auf Seiten hochzuladen, um sich, den eigenen Stil und die eigene Fresse bewerten zu lassen. Aha.

In den letzten Monaten, seitdem es drueberleben gibt quasi, habe ich hunderte von Emails und tausende von Kommentaren bekommen. Die meisten waren sehr freundlich, der Großteil im Mindesten konstruktiv und der Rest war entweder Spam oder eine andere Kategorie, die ich so bisher nur bei Blogs erlebt habe, die von Frauen geführt werden: Es waren Kommentare über mein Aussehen.

Nun mag man vorwegnehmen, dass ich mich nicht gerade versteckt habe und meine Fresse ziemlich oft in die Kamera gehalten habe, was Teil und Sinn des Projekts war, wie die klugen Leser verstanden hatten, weil es eben darum ging zu zeigen, dass depressive Menschen keine heulenden Wracks sind, die zwangsläufig abgemagert, hässlich und unteriridsch übel aussehen. Kluge Leser hatten das wie gesagt ziemlich schnell begriffen. Die nicht so klugen schrieben lieber Emails, die zusammengefasst in etwa aussagten, dass ich entweder eine oberflächliche, selbstverliebte Fotze bin oder eben eine selten hässliche, je nachdem, wie der Absender gerade lustig war zu schreiben.

Aha. Zunächst ist festzuhalten, dass alle Angriffe fast ausschließlich in irgendeiner Weise auf mein Aussehen abzielten. Entweder war ich zu hübsch, um in den Augen des (natürlich IMMER anonymen) Absenders depressiv sein zu können (also ein Fake) oder ich war zu hässlich und zu demoliert, um überhaupt leben, schreiben und atmen zu dürfen. Das ist interessant. Denn nach einiger Zeit stellte ich fest, dass diese Art der Beschimpfung, des Trolltums, meistens in weiblich geführten Blogs zu finden ist. Die Damen werden entweder völlig entwertet oder aber, wenn sie in den Augen der Trolle hübsch sind, als dumm, oberflächlich oder arrogant dargestellt.

Am Anfang, das muss ich zugeben, war ich bei der einen oder anderen Nachricht etwas gekränkt. Es stellte sich mir die Frage, warum diese “Menschen” so wenig gute Erziehung genossen haben, so alleine und so armselig sind, dass sie fremde Menschen im Internet beschimpfen müssen. Das hat mir leidgetan und ich fragte mich ein ums andere Mal, ob man ihnen nicht irgendwie helfen müsste. Mit der Zeit jedoch begriff ich, dass diese Menschen tatsächlich einfach zu dumm waren, um sich auf eine respektvolle und konstruktive Art mit Inhalten auseinander zu setzen, die ihnen (es sei ihnen zugestanden, mein Gott) missfiel.  Und ich fragte mich, ob sie tatsächlich glaubten, dass sie mit dieser Art der Kommunikation etwas erreichten, das über den SPAM Filter hinausgeht? Über ein müdes Lächeln und über die Tatsache, dass sie vermutlich einfach arme Würstchen sind, die in einer ziemlich trüben Suppe schwimmen.

Warum ich mich trotzdem mit diesem Thema auseinandersetze? Nun, zunächst einmal wie gesagt deshalb, weil mir aufgefallen ist, dass dieses Phänomen vermehrt bei weiblichen Bloggern auftritt und außerdem auch deshalb, weil ich mich frage: Ist unser Aussehen noch immer unser größter schwacher Punkt?

Weil es hier ja um Ehrlichkeit geht und ich sowieso uf jeder Seite quasi nackt hier rumstehe und ein bisschen was erzähle, kann ich mit gutem Gewissen sagen: Ich leide genau so wie Milliarden andere Frauen darunter, mich permanent zu dick, zu hässlich, zu unansehnlich, zu irgendwas zu fühlen. Ich sehe wie all die vielen anderen Frauen dauernd in den Spiegel, zupfe an mir herum, schneide mir die Haare ab, bereue es wieder, kaufe mir neue Kleidung, in der Hoffnung, einmal einem Trend nahe zu sein, der scheinbar schon lange an mir vorbeigezogen ist. Ich bin ganz genau so unsicher wie all die anderen und ich habe Cellulite, Pickel und wiege mindestens 5 Kilo zu viel, um in eines von diesen Zara Kleidchen zu passen. Das ist die Wahrheit. Ich sehe mir diese Mode Blogs an und sehe bis zur Unkenntlichkeit aufgestylte Mädchen und fühle mich frustriert. So frustriert, wie man sich in der H&M Umkleide fühlt, wenn man sieht, dass die hübschen Klamotten an einem eher aussehen, als sei man irgendetwas sehr deformiertes und auf keinen Fall die heiße Uschi auf dem Plakat, nein, man ist so weit weg von der heißen Uschi aus der Werbung wie von der Möglichkeit, ein internationaler Superstar zu werden. Das ist frustrierend und das ist alltäglich und alle wissen das, aber keiner redet darüber.

Viel lieber laden wir hübsche Bilder von uns bei Facebook raus (ich auch), auf denen wir möglichst vorteilhaft in die Kamera gucken und den Eindruck erwecken, dass wir echt heiß, echt interessant und echt ganz nah am Supermodel sind. Und dabei merken wir gar nicht, wie genau diese Bilder uns immer nur noch mehr frsutrieren. Weil wir ganz genau wissen: Das ist nur eine Momentaufnahme und die Wahrheit hat Reiterhosen, Akne und trägt die meiste Zeit keine heißen Kleider, sondern alte T-Shirts, die nach dem ersten Waschen schon ihr Werbeversprechen das Abwasser heruntergespült haben. Tja.

Zurück zum Punkt: In den letzten Wochen frage ich mich deshalb desöfteren: Muss das eigentlich alles sein? Muss das sein, dass sich Menschen gegenseitig wegen ihres Aussehens beleidigen und muss das sein, dass so viele von uns so versessen darauf sind, möglichst vorteilhaft rüberzukommen? Ist das eine logische Konsequenz aus der Facebookisierung unseres Privatlebens oder einfach nur mein subjektives Empfinden?

Ich jedenfalls habe Pickel, Augenringe, dicke Backen und wiege zu viel. Ich bin kein Supermodel und ich werde auch nie eines sein. Wer mir also schreibt, dass ich Pickel, Augenringe, dicke Backen habe und dick bin: ok, wahnsinns Neuigkeiten, danke, jetzt fällt es mir auch endlich auf!Es gibt da aber noch etwas: Ich habe ziemlich tolle Augen. Und ein umwerfendes Lächeln. Ich bin charmant und ich kann ziemlich gut schreiben. Ich habe Grübchen, die wahnsinn sind und tolle Brüste. Wer was dagegen sagt: Go fuck yourself. Und so ist es eben immer und mit vermutlich allem: Keiner ist nur schön und keiner ist nur hässlich. Sowieso ist das eine rein private Sache, wie hübsch oder unhübsch man gefunden wird und absolut nicht von Belang, wenn es darum geht, wie nett, interessant oder witzig jemand ist. Ich scheiße auf roten Lippenstift, auf Acne-Klamotten und cooles Gehabe, wenn die Person dahinter nur langweiligen, oberflächlichen Kram von sich gibt und nicht viel mehr kennt, als ihre Plattensammlung auswendig. Was mich interessiert sind nicht die Gesichter von Menschen, sondern die Gedanken hinter den Mündern, hinter den Augen, hinter den tollen Haaren. Wer das anders sieht (und hier bin ich ausnahmsweise Mal sehr unmissverständlich deutlich) ist ein dummes, ignorantes, idiotisches Stück Scheiße von Mensch.

So und nun mache ich mich hübsch, denn heute Abend findet zum ersten Mal nach langer Zeit für mich wieder meine Lesebühne im Schauspielhaus in Hamburg statt und es werden neue Fotos gemacht und da will man ja hübsch aussehen, nicht wahr?

35 Kommentare
  1. lalanesse said:

    Überaus gut und ehrlich geschrieben. Und natürlich absolut richtig. Danke Kathrin!

  2. liz said:

    Du hast sehr recht mit Deinem Text. Da kann ich nichts mehr hinzufügen. Habe die gleichen Erfahrungen und Beobachtungen gemacht wie Du. Deshalb mach ich einfach mit:

    Auch ich wiege zuviel für Zara-Kleidchen, nämlich 64 Kilo bei 169 cm. Außerdem habe ich nicht gerade eine Stupsnase, sondern dafür ein kleines Bäuchlein. Ach ja, die Augenringe. So what.

    Darüber hinaus habe ich ebenfalls tolle Augen, sehr lange Beine, schöne Haare und schreibe meistens immerhin so gut, dass ich damit mein Geld verdienen kann und auch tue.

    Auf Facebook-Fotos tu ich trotzdem so, als sei ich vollkommen und überbelichte jedes Bild gnadenlos, um einen makellosen Teint vorzutäuschen. Verrückte Welt.

  3. Cora said:

    vielen dank! ich lese deinen blog sehr gern, mag deine art zu schreiben. und gerrade eben hast du mir wieder aus der seele gesprochen. thanx!

  4. Katharina said:

    So true. Danke dafür, dass du sprichst, was ich denke und wahrnehme. Sorry, muss mein Näschen nachpudern ;)

  5. Rieke said:

    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Ich finde, du hast die verrückte Welt, in der wir leben, ziemlich perfekt dargestellt.

    Und mir nebenbei aus der Seele gesprochen.

  6. De eM said:

    Hier meldet sich ein Quotenmann. Ich verstehe Dich. Liegt wahrscheinlich eh daran, dass ich ein weibliches Hormon zuviel habe. Was die verbalen/schriftlichen Entgleisungen der männlichen Spezies anbelangt, hast Du meine absolute Zustimmung. Ich würde genauso reagieren. Zum Glück lesen fast nur Frauen meinen Blog und die paar Männer, die übrig bleiben, haben jeweils auch ein W-Hormon zuviel. Leider kann ich Deinen weiteren Gedankengängen nicht so ganz zustimmen. Ich fühle mich auch zu dick, zu pickelig, zu alt – zu hässlich. Wenn ich nun daran denke, dass ich schöne Füße habe, hilft mir das gar nicht. Meine Laune bleibt unverändert schlecht. Und schlechte Laune ist nicht so förderlich in der Kommunikation mit Fremden. Denn erst einmal schaut doch jeder auf das Äußerliche. Wenn ich missmutig durch die Welt ziehe werde ich kaum die Möglichkeit bekommen, mein Gegenüber davon zu überzeugen, dass ich charmant und gebildet bin. Also muss ich mir doch erst einmal selbst gefallen, damit ich anderen gefallen kann. Das ist meines Erachtens der Knackpunkt und hierfür bedarf es an Unmengen von Kraft. Denn jeder möchte doch in irgendeiner Form gefallen. Es wäre schön, wenn die Welt so ist, wie Du sie beschreibst. Mit offenen Armen wird das/die/der Hässliche empfangen und alle sind so glücklich wie am Rama-Tisch. Am liebsten wäre mir, es gäbe kein hässlich/schön. Am besten wäre, ich vermumme mich komplett bis zu den Füßen und laufe barfuß durch die Straßen.

    Im übrigen finde ich Dich weder zu dick noch zu pickelig. Und Augenringe habe ich auch nicht gesehen. Lag wohl an den Augen. :)

    • Hey De Em,

      danke für deine Antwort!
      Zu den Punkten, die du ansprachst: Ich finde, im Grunde ist das ganz leicht zu beantworten: Du kannst dein Wohlgefühl nicht als Normalsterblicher an deinem Äußeren festmachen. Wir alle, jeder vons uns, haben Spliss, Dellen, Macken, Röllchen, Pickelchen etc. Davon ist so gut wie niemand ausgenommen. Die einen finden ihre Füße zu groß, die anderen ihre Nase. Wenn man sich darauf konzentriert, dann sieht man auch nur noch diese Füße und diese Nase. Aber: Was ich eigentlich meinte war nicht, dass es kein hässlich / schön mehr gibt. Dass wir alle lustig herumtanzen und uns in die Arme nehmen und uns sagen, wie lieb wir uns haben und wie scheiß egal uns unser Aussehen ist. Was ich eher meinte war, dass ich diese beleidigenden Umgang, diese Gehässigkeit der Bewertung der anderen und auch der eigenen Attraktivität in Frage stelle.
      Ich glaube leider auch nicht, dass sich großartig etwas an diesen Mechanismen ändern wird. Aber ich dachte, hm, vielleicht sollte man einfach mal lockerer sein und sagen, ok, ich hab hier was und da was und das sieht auch scheiße aus, aber das muss ich mir nicht von anderen sagen lassen, das weiß ich schon selber, danke und tschüß.
      Und ganz wichtig: Seinen Gegenüber überzeugt man NICHT durch Aussehen, sondern durch Ausstrahlung. Alter Hut, aber immer wahr. Natürlich schauen wir schöne Menschen lieber an, als solche, die wir nicht so schön finden und wir halten sie laut Studien ja auch gleich für kreativer und witziger und erfolgreicher etc. Aber das ist ja kein Grund anzunehmen, man sei gleich raus, nur weil man nicht ganz so modellike ist. Denn am Ende ist es ja so: Es gibt Milliarden durchschnittlich attraktive Menschen und bloß ein paar Tausend wunderhübsche. Warum also der ganze Stress?

      • De eM said:

        OK, ich habe da wohl ein wenig den Faden verloren. Aus dieser Sicht kann ich nur nicken. Wobei es doch eigentlich nicht nur um die Beleidigungen über das Aussehen geht, sondern auch ganz allgemein darum, dass wir uns zu abhängig von den Äußerungen anderer machen. Meist ist es auch noch der negative Einfluss. Hey, ich gebe Dir recht: Locker werden hilft. Aber das ist ein – manchmal – langer Prozess.

        Have fun tonight :)

    • Daniel said:

      Hallo.
      Ich hab da ein paar Fragen:
      Was macht dich zum Quotenmann? / Wieso verstehst Du dich so?

      Warum bewertest Du die Äußerlichkeiten der Autorin – nach so einem Beitrag – schon wieder?

      Glaubst Du wirklich Du hast ein Hormon zu viel?
      In meinen Augen ist das eine falsche Biologisierung. Das halte ich nicht nur für falsch, sondern auch noch für eine einfache Ausflucht vieler Sexisten.
      Bist Du vielleicht einfach ein bisschen reflektierter oder empathischer? Oder hast Du womöglich eine andere Sozialisierung?

      “Am liebsten wäre mir, es gäbe kein hässlich/schön”. Warum machst Du dann weiter mit der Kategorisierung?

      Warum vermummst Du dich nicht und läufst barfuß durch die Straßen?

      • De eM said:

        Ob ich nun tatsächlich ein Quotenmann bin, stellst Du ja nun als Mann gerade in Frage. Korrekt, denn mit dem Auftauchen von Dir, bin ich es nicht mehr. Es war eine ironische Einleitung von mir, da hier – nach meinem Empfinden – überwiegend weibliche Leser zu finden sind.

        Weil es a) ein Kompliment ist und b) ich nicht in jeder von mir formulierten Aussage eine vorherige Analyse möglicher Interpretationen vornehme. Zwar mag der In halt des Textes gerade die Bewertung der Äußerlichkeiten als unsinnig darstellen, doch ist es m.E. legitim, meine Sicht(weise) über die betroffene Person

        Nicht wirklich. Es erklärt aber auf prägnante Weise, weshalb ich als männlicher Vertreten viel Verständnis für die weibliche Seite habe.

        Siehe vorherige Antwort. Allerdings verstehe ich nicht, wie Du so einfach eine Bewertung von unbekannten Personen vornehmen kannst. Sollten tatsächlich alle die, die Verständnis für die weibliche Seite haben, überwiegend Sexisten sein? Eine mutige und anmaßende Annahme.

        Durchaus denkbar. Das sollen andere beurteilen. Eigenlob stinkt bekanntlich.

        Weil es ein Wunsch von mir ist, der aber aus meiner Sicht nicht so leicht einzulösen ist. Und jeder wird kategorisiert bzw. kategorisiert selber. Sind Sexisten keine Kategorie?

        Weißt Du, ob ich es nicht mache?

        Ich bin mir bei Deinem Post nicht ganz sicher, ob Du es eine stilvolle Diskussion oder aber auf eine reine Provokation abgesehen hast. Im Moment tendiere ich zu Letzterem. Wie dem auch sei, meine Antworten hast Du nun. Was Du daraus machst, ist Deine Sache.

        Nichtsdestotrotz wünsche ich noch einen schönen Sonntag.

        Viele Grüße – Detlef

        • De eM said:

          P.S. Mist. Habe zwar Deine Fragen eingefügt, aber irgendwas habe ich falsch gemacht. Sorry, sollte nicht so unübersichtlich sein.

  7. Marieken said:

    Genau! Selbstbewusste Frauen, die irgendeinem Idioten missfallen, sind entweder häßlich, dumm oder gehören nur mal ordentlich gef******.

    • Ja, auch schön zu sehen auf hatr.org, was die Damenwelt sich da so anhören “muss”.

  8. Auf der einen Seite gut, dass du das schilderst, auf der anderen Seite würde ich sagen: Keine Aufmerksamkeit den Deppen, da ist jedes Wort und jede Aufregung zu viel, da ich nicht glaube, dass man an diesen Leuten was ändern kann. Wenn die zu viel Freizeit haben, um Blog-Mädels beleidigende Emails über ihr Aussehen zu schreiben, ist das ihr Ding, aber man sollte sich dadurch nicht die eigene Freizeit verkürzen lassen, indem man sich zu viel damit beschäftigt. Also kurz, ich plädiere für mehr Gleichgültigkeit gegenüber Deppen.

  9. Stacy said:

    Ja das is wirklich die Welt in der wir leben, dir du beschrieben hast. Aber hässliche Bilder von sich bei facebook zum beispiel hochzuladen macht erst recht keinen sinn, da man sich damit garnicht wohlfühlt^^ Jeder Mensch is nicht hässlich, es kommt immer auf den Betrachter an ^^ Zudem kann man den Focus im Leben auch mal auf was anderes lenken als immer nur auf sein aussehen^^ Denn umso öfter man sich im Spiegel anschaut, desto öfter findet man sich dann noch hässlicher ^^ Hauptsache man gefällt sich selbst , was andere denken is scheiss egal^^

    Lg^^

  10. christina said:

    ach, du hast so recht. recht hast du.

    was bleibt, ist die frage:
    auch wenn man das alles weiß und reflektiert hat, wann hört es denn mal auf?
    jaja, ich weiß. man hat eine option. man kann jederzeit aussteigen. nicht mehr mitmachen. vor dem hindernis verweigern.

    aber geht das? will man das? klappt das?

    toller text!

  11. Im “Männerwohnheim” Internet sollte jede Frau erwarten, auf ihr Äußeres angesprochen zu werden, selbst wenn sie ansonsten im Straßenbild untergeht.
    Jahrelang stellte ich mich auf Votingseiten zur Schau, weil ich nicht akzeptieren wollte, dass der Fleischberg, mit dem mein Kopf sich abschleppt, völlig ohne Ansehen ist.
    Zum Glück mühte ich mich obendrein nicht jahrelang im Fitnessstudio, um dann vielleicht von einem “Daddy” ausgegrätscht zu werden.
    Was den Schlag bei Frauen angeht, rechne ich keinem noch so schönen Mann sonderliche Chancen aus gegen einen ausgereiften Ministerpräsidenten.
    Seit es derart “Klick” gemacht hat, rasiere ich mich aus Prinzip nur noch alle drei Tage. Sehe ich, mit welch Typen Frauen oft um die Häuser ziehen, würde ich mich als Depp fühlen, “der Linie” wegen auch nur auf einen Happen Fleisch zu verzichten.

  12. Luna said:

    Ich liebe diesen Post <333

  13. vera said:

    Nicht, dass das jemals aufhörte (eine Frau, die nicht mehr in den Spiegel sieht, hört auf, eine Frau zu sein. Chanel), aber es lässt mit dem Älterwerden gewaltig nach. Ansonsten vielleicht auch mal Anke Gröners neues Buch lesen, etwas anderes Problem, aber die gleiche Richtung. Selbstbewusstsein, Mädelz.

  14. Ute Maria said:

    Ich glaube nicht, das das “Trolltum”, wie du es nennst ein überwiegend weibliches Phänomen ist und auch keins des Internets. Ich bin übergewichtig und stelle immer häufiger fest, das sich viele berufen fühlen ihre Abscheu und Verachtung tatsächlich zu äußern, verbal oder durch Blicke. Und das sehr massiv. Erst gestern bin ich zum wiederholten Mal aufs Heftigste bepöbelt worden. Tuscheln ist vorbei, “fette Sau” von der gegenüberliegenden Straße brüllen ist in. Mich beschäftigten deine Fragen auch: “Muss das eigentlich alles sein? Muss das sein, dass sich Menschen gegenseitig wegen ihres Aussehens beleidigen”. Ja, ehrlich gesagt, glaube ich muß das sein. Ich habe den Eindruck, das so ein Verhalten als einzige Chance erscheint sich im Alltag künstlich zu erhöhen, durch die Demütigung vermeintlich Schwächerer (weil sie selbst Demütigung durch andere sehr gut kennen und nachahmen?) Und irgendwann ist es Impuls. Und dann irgendwann weiter kommt es den Trollen so vor, als ob sie das Recht hätten statements abzugeben, weil sie sich für Experten halten. Diskriminierung nimmt zu, nicht zuletzt unter dem Deckmantel “ehrlich die Meinung zu sagen”. Dabei haben die Verursacher einfach nicht gelernt, das deren Freiheit da aufhört, wo die des anderen anfängt.

  15. Selina said:

    Ein Jeder gibt den Wert sich selbst.
    Hinter allem was uns “schlecht” oder “falsch” denken lässt-
    steckt ANGST.
    Damit ist der Großteil der Menschheit geimpft.
    Wenn die ANGST in den Menschen aufgelöst ist, macht
    die Wirtschaft pleite.
    Was braucht der Mensch- außer LIEBE? Nichts.
    Ein LIEBENDER MEnsch ist gesättigt auf allen Ebenen- bei sich- strahlend SCHÖN!
    Zu dieser LIEBES-Einstellung braucht es kein direktes Gegenüber.

    WER LIEBT SIEHT SCHÖN.
    WER LIEBT IST SCHÖN.

    (Löschung von Angst/ http://www.extremnews.com)
    Alles Liebe♥

  16. Selina said:

    ….bei extremnews.com unter den Links, Videos klicken-
    Thema “Löschung von Angst”…

  17. Mareike Kaa said:

    Hm. Dafür, dass du Äußerlichkeiten wenig Aufmerksamkeit schenken willst, schenkst du Äußerlichkeiten viel Aufmerksamkeit.

  18. Grillroboter said:

    “Warum ich mich trotzdem mit diesem Thema auseinandersetze? Nun, zunächst einmal wie gesagt deshalb, weil mir aufgefallen ist, dass dieses Phänomen vermehrt bei weiblichen Bloggern auftritt und außerdem auch deshalb, weil ich mich frage: Ist unser Aussehen noch immer unser größter schwacher Punkt?”

    Das Anliegen ist absolut nachvollziehbar und extrem wichtig. Frauen verbringen extrem viel Lebenszeit damit sich hübsch zu machen + sich darauf vorzubereiten sich hübsch zu machen + sich über all dies Gedanken zu machen. Und meiner Erfahrung nach, tun Frauen die sich dessen bewusst sind genanntes zwar weniger, aber immer noch viel zu viel (bedeutend mehr als ich). Meine Partnerin sagt zwar, es mache ihr einfach Freude sich Gedanken zu machen was sie anzieht, aber ich glaube, dass unsere Psyche da verdammt konsequent ist: je mehr Spaß man daran hat sich schön zu fühlen, desto mehr leidet man auch darunter sich nicht schön zu fühlen (Beispiel Fußball: man kann sich nicht freuen, wenn das eigene Team gewinnt, ohne sich auch darüber zu ärgern wenn es verliert, ohne sich selbst zu verarschen)

    Meiner Meinung kann es im besten feministischen Sinn nur darum gehen jegliche verallgemeinernde hässlich-schön-Kategorie abzuschaffen. Schönheitsempfinden sollte das sein was es ist: individuell, wie Vorliebe für Lebensmittel, mit der Einschränkung dass man wenn man über Lebensmittel redet, die scheiße sind (gekochte Eier) niemanden verletzt.

    Vielleicht weiß ich was Mareike meint. Ich habe auch das Gefühl, dass du deinem Anliegen nicht wirklich nachkommst, wenn du quasi im gleichen Atemzug an dir bemängelst:

    “Ich jedenfalls habe Pickel, Augenringe, dicke Backen und wiege zu viel.”

    Du sagst damit: Pickel sind schlecht, Augenringe sind schlecht, dicke Backen und Übergewicht auch. Stell dir doch mal vor da sitzt jemand, liest das, sieht sich dann deine Fotos an und merkt: “Fuck, ich hab noch mehr Pickel, größere Augenringe und bin noch viel fetter.” Du machst altbekannte Schönheitskategorien auf, und suggerierst damit, dass Schönheit messbar sei und das ist für mich der Fehler.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Es darf nicht darum gehen, dass Hässlichkeit egal ist, denn das ist sie offensichtlich nicht, sondern, dass Schönheit und Hässlichkeit nicht mehr sind als Marzipan oder Lakritz, nämlich: persönlicher Geschmack.

    Aus dem Grund halte ich jedes öffentliche Gequatsche darüber für einen weiteren Schlag auf den von dir richtig benannten schwächsten Punkt der hier sozialisierten Weiblichkeit.

    Ich hab durch deinen Text übrigens den Begriff Reiterhosen kennen gelernt.

    Trotzdem danke ich für die Thematisierung und hoffe jetzt nicht an dir vorbei geschrieben zu haben.

  19. tordis said:

    ich glaube, dass beschimpfen oft so funktioniert, dass man (egal, was man selber findet) einfach das sagt, was einem als verletzend vorkommt.
    man versucht, nach schema F schwachstellen auszuloten und drückt dann drauf. egal ob man es selber findet oder nicht. man will beleidigen, und nicht die wahrheit, die eigene meinung sagen:
    frauen – hässlich/dick. analphabet – dumm. mann – mädchen.
    es gibt “feinfühlige” beleidigerInnen (die genau wissen, wos am meisten wehtut – egal, ob sies selber finden oder nicht: sie wollen verletzen, die eigene meinung ist da recht egal) und es gibt stümper, die dermaßen grobe schemata im kopf haben, dass man ihnen direkt gerne ein bisschen IQ absprechen möchte.
    dann gibts natürlich wieder trolle, denen extrem fad im kopf ist. das sind die, die sich nicht trauen, ihren frust auf offener straße rauszulassen (wie besoffene jugendliche, wenn sie einem weis machen wollen, man schaue blöd), und daher die anonymität des internets bevorzugen. ähnlich wie mobber geht es ihnen nicht um die angetrollten personen, sondern ums frust rauslassen. manche stellen sich dermaßen dumm dabei an, dass es fast schon peinlich ist (in einem forenthread über “welche musik hört ihr gerade?” reinschreiben “ihr seid alle hurensöhne”. aber es gibt auch ein paar, die sich richtig mühe geben beim trollen und schon ziemlich gekonnt, wortgewandt und treffend beleidigen, sich direkt in die diskussion “einbringen” und zwar an besonders heiklen stellen (die auch ohne troll gerne schnell kippen können) usw.

    ich nehme solche dinge nicht (mehr) ernst. und würde dir das auch empfehlen (auch wenn ich weiß, dass du wegen deiner depressionen wohl oft sensibel drauf reagierst. (ich hab auch schon meine psychischen päkchen mit mir herumgetragen)). dass du dich einerseits zu so einem posting inspiriert fühlst, ist gut, denn so ein thema muss besprochen werden. andererseits könnte es auch sein, dass du, indem du auf diese leute reagierst, ihnen irgendwie nahrung/bestätigung gibst.
    ach, ich weiß auch nicht.
    ich finde es jedenfalls toll, dass es deinen blog gibt – ich hätte dich und deinen blog gerne zum lesen gehabt, in der zeit, als es mir sehr dreckig ging.

  20. ja der mann said:

    oh gott ist das kompliziert. kann man einfach noch mann sein und frauen lieben und nicht über das aussehen nachdenken?
    ich krieg mehr gefühle beim lesen und hören, als beim sehen…

  21. “Und ganz wichtig: Seinen Gegenüber überzeugt man NICHT durch Aussehen, sondern durch Ausstrahlung. (…) Es gibt Milliarden durchschnittlich attraktive Menschen und bloß ein paar Tausend wunderhübsche. Warum also der ganze Stress?”

    daumen hoch für den ganzen blogtext und für dies zitat aus einem kommentar noch mehr. es ist so schräg, wie sehr sich mensch damit kaputt macht, wie sehr die – warum auch immer stattfindende – abwertung seiner selbst oder sogar der selbsthass gerade in äußerlichkeiten ausdruck findet. irgendwann neulich las ich den satz “eine gesellschaft ist immer so krank wie ihre mitglieder” (ist nicht ganz wörtlich, aber das war in etwa die aussage dahinter) und ja, das ist es meiner meinung nach. wer läuft denn heutzutage noch rund. und: wo hatte man jemals die möglichkeit, sein nicht-rundlaufen so sehr auszuleben und dem ausdruck zu verleihen.

    (ich möchte “nicht-rundlaufen” nicht werten. für mich gehören dazu ebenso blogs über depressionen wie endlose gespräche über daddy issues oder eben leute wegen ihres aussehens beschimpfen, im internet und im rl.)

    ich finde meine brüste übrigens auch ziemlich in ordnung. und kann mit ihrer asymmetrie noch besser leben, seit ich feststellte, dass die von angelina jolie auch so aussehen. nämlich.

  22. Madame B. said:

    Erstmal ein großes Lob für Deinen Beitrag!

    Ich habe noch keinen Menschen, egal ob Mann oder Frau, kennenglernt, der mit sich vollkommen zufrieden ist. Ihr vielleicht? Dabei ist Schönheit eine obsolut subjektive Angelegenheit. Oder nicht?

    Kein Mensch ist perfekt. Uns fällt es nur schwer unsere Macken zu akzeptieren und uns mit ihnen auszusöhnen. Wir müssen den Frieden mit unserem nach Perfektion streben Ego finden. Warum können wir nicht einfach sagen, ich habe eine breite Hüfte, na und, ich bin weiblich und finde es gut. Warum müssen wir alle dem Schlankheitswahn hinterlaufen, einem großen Busen oder der Faltenlosigkeit? Wir sind alle anders und das macht das Leben doch gerade so spannend.

    Auch ich könnte locker mindestens 10 Dinge finden, die ich gerne an mir ändern würde. Aber kann ich das? Kann ich das, wenn ich abends deprimiert neben der Tanzfläche stehe? Keine Lust zum Tanzen habe, weil alle anderen Frauen soviel besser aussehen? Nein! Also, lasse ich meine Zweifel ruhen und genieße den Abend oder Augenblick, habe Spaß. Und wer glücklich ist strahlt dies auch aus. Wen interessiert dann noch die ein klein wenig zu große Nase oder der Bauch? Niemand! Weil es in diesem Moment wichtigeres gibt!

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