Guten Tag, Sie sind ein Arschloch.

Determinismus: Ich gehe in den Wald, ein Vogel fällt vom Baum, also kann ich davon ausgehen, dass ab jetzt jedes Mal ein Vogel vom Baum fällt, wenn ich in den Wald gehe. Richtig? Nein.

Das glauben wir nicht, schließlich sind wir ja vernünftig und basteln uns unseren Determinismus, wie er uns gefällt: Unser Gehirn sortiert ganz automatisch und im Rückblick auf Erfahrungen, Werte, Werteinschätzungen usf., was in Schubladen passt und was nicht. Einfacher ausgedrückt: wir müssen davon ausgehen, dass uns Atmen am Leben hält, dass der Typ da neben uns auch morgen noch unser Freund ist und dass wir wir sind, dass wir Essen kaufen müssen, um Nahrung aufzunehmen, die uns am Leben hält, dass man mit Geld bezahlen kann und so weiter. Von diesen Dingen gehen wir aus, ganz automatisch und unterbewusst, denn sonst müssten wir an jedem einzelnen Tag alles aufs Neue überprüfen, was einer täglichen Neugeburt gleich käme und sicherlich spannender klingt, als es dann letztendlich ist.

Nun ist es aber ja so, dass manche Menschen sich der Schubladen übermäßig bedienen und um sich Arbeit, Zeitaufwand und Gehirntätigkeit zu ersparen lieber immer von bestimmten Dingen ausgehen, wenn bestimmte andere Dinge passieren. Ein Beispiel? Bittesehr:

Ich leide seit ein paar Wochen unter ungeklärten, recht heftigen neurologischen Auffälligkeiten, sowie einiger ungeklärter Auffälligkeiten im Blutbild. Kurz: Mir geht es dreckig, alles tut weh, ich habe meine Beine nicht unter Kontrolle, ständig Fieber, Schmerzen und Ausschlag. Das alles steigerte sich am Samstag in einer Art Anfall, in dessen Verlauf ich am ganzen Körper Krämpfe, Spastiken und Sprachstörungen hatte, die dazu führten, dass ich in das Universitätskrankenhaus Hamburg eingeliefert wurde. Was dort passierte kann man als desaströs, unverschämt und irrwitzig bezeichnen (plus ein paar wilde Beschimpfungen).

Nachdem der Arzt gehört hatte, dass ich Paroxetin einnehmen muss und in diesem Jahr in dem psychiatrischen Institut behandelt wurde, ging er, ohne auch nur eine weitere Untersuchung zu machen, davon aus, dass ich einen Panikanfall hätte, den ich simulieren würde, um an Schmerzmittel zu gelangen, die ich missbrauchen würde und von denen ich abhängig sei. WTF. Noch mal? W T F ?

Zunächst: Ich weiß, wie eine Panikattacke aussieht. Das weiß ich, weil ich gefühlte dreitausend davon hatte und zwar in jeder erdenklichen Form. Wenn jemand weiß, wie eine solche Attacke aussieht, dann ich. Ich bin Expertin in verdammten Panikattacken. Und das war keine, denn: ICH HATTE KEINE ANGST UND AUCH KEINE PANIK. Dass man also jetzt Panikattacken haben kann, ohne Panik zu haben, ist selbst mir neu gewesen. Dass man so etwas behaupten kann ohne auch nur eine weitere Untersuchung gemacht zu haben und trotz der neurologischen Ausfälle (ich konnte nicht laufen und keinen Satz zu Ende sagen), auch. Weiterhin: Ich habe seit 12 Jahren schlimmste Migräne. So auch an diesem Tag. Wer so arg Migräne hat, hat vielleicht vieles, aber eines ganz bestimmt nicht: Probleme damit, an Schmerzmittel zu kommen. Ich habe einen ganzen Schrank davon zu Hause. Normale Schmerzmittel, Triptane, ja sogar Opiate. Wenn ich also Schmerzmittel haben möchte, was mache ich dann? Richtig: Ich rufe keinen Notarzt, sondern ich gehe in meine Küche, nehme mir, was ich brauche und lege mich ins Bett, darauf wartend, dass das alles ganz, ganz schnell vorbeigeht.

Halten wir also fest: Ich habe eine angebliche Panikattacke vorgetäuscht, um meinen angeblichen Schmerzmittelmissbrauch zu befriedigen. Das zumindest steht in dem Befund, der mir nach über sieben Stunden, in denen KEIN CT, KEIN MRT und keine weiterreichenden Untersuchungen gemacht wurden, mitgegeben wurde.

Nun, wie konnte das passieren? Ganz einfach: Durch so ein Arschloch von Arzt, der mitbekommen hat, dass ich Paroxetin einnehme und schon einmal in psychiatrischer Behandlung war. Durch die simple, dumme Stigmatisierung eines Menschen, den man in eine Schublade gepfercht hat einzig und allein aufgrund der Tatsache, dass er jemals psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen hat.

Ich kann nicht fassen, dass ein solches Verhalten und Vorgehen praktiziert wird. Mal abgesehen davon, dass meine Therapeutin mir bestätigt hat, dass ich keine Panikattacke hatte und auch nicht mehr unter solchen leide und dass diese ganze Behandlung dort eine absolute Unverschämtheit gewesen ist, hat eben jene (sie ist Ärztin) ebenfalls bestätigt, dass längst ein MRT und ein EEG hätte gemacht werden müssen, weil KEINES meiner Symptome mal eben so darauf hinweist, dass ich simuliere oÄ (oder simuliere ich auch ein Blutbild, habe ich es sogar gefälscht, damit ich Schmerzmittel bekomme?! Hä?)

Ich frage mich nun: Ist das Usus, dass Menschen, die einmal psychisch krank waren, fortan mit dem Stigma des psychosomatoren Freaks herumlaufen müssen? Darf das sein, dass selbst Mediziner diskriminieren, voreilig in Schubladen stecken und davon ausgehen: Wer einmal was am Kopf hatte, der kann nie wieder ernsthaft krank sein? Und glauben diese Mediziner dann auch an den Vogel im Wald? Und kann man eigentlich gegen eine solche Unverschämtheit angehen?

Ich jedenfalls leide nach wie vor unter den Ausfällen, den Schmerzen und Krämpfen und möchte diesem kleinen Arsch gerne in meinen Körper stopfen und dann mal sehen, wie er verzweifelt herumläuft und seine Kollegen immer bloß sagen: Ach Jupp, jetzt simulier doch mal nicht so! Vielleicht begreift er dann ja, dass psychische Erkrankungen kein Stigma sein sollten, dass es NIE NIE NIEMALS passieren darf, dass ein Arzt nur aufgrund der Vorerkrankung seines Patienten einfach so und ohne etwas auszuschließen davon ausgeht, dass dieser Patient nur simuliert. Ich wünsche wirklich niemandem eine solche Erfahrung. Obwohl: dem Typen doch. Und sein scheiß Dormicum kann der sich auch in den Arsch schieben. So.

Ich gehe dann jetzt mal weiter mein Blutbild manipulieren. Ich habe sonst nämlich nichts zu tun. Das alles wäre ja viel zu langweilig sonst.

34 Kommentare
  1. ZeroSum said:

    Ungelogen war ich vor ein paar Jahren mit einer Person die auch Krampfanfälle hatte in einer Notnaufnahme. Der Grund war ein ich glaub zu hoher Sauerstoffgehalt im Blut. Die Behandelte Ärztin kannte die Person mit der ich in der Notaufnahme war, aus einer Zeit als sie in der Tagesklinik dieses Krankenhauses war. Und der Fall war klar. Es war ein Nervenzusammenbruch. Als Medikament wurd ihr Tavor gegeben und um ein Haar wäre sie auch auf der Psychatrischen Station gelandet. Die Person war psychisch absolut Stabil, aber weil die Ärztin sie aus der Psychatrie kannte war es für sie ein Nervenzusammenbruch. Das mein ein wenig genervt und verzweifelt ist wenn man 3 Stunden mit Krampfanfällen in der Notaufnahme hockt war für sie nicht verständlich.

    Soviel zum Thema Stigmata……

    • Mir haben sie auch gesagt, dass ich mich “reinsteigern” würde, weil ich irgendwann vor Schmerzen geweint habe und nur noch gebettelt habe, dass die mir endlich etwas gegen die Schmerzen und Krämpfe geben. Dass man nach so vielen Stunden Warten und Aushalten ein bisschen mit den Nerven runter ist, können die sich scheinbar nicht vorstellen.

  2. X-tof said:

    so schlimm war es bei mir noch nicht.
    Aber ich habe auch noch niemanden gefunden, der/die mich verstehen kann (bzw. will).
    Viel Erfolg weiterhin mit der Blutbild-Manipulation!

  3. Unfassbar. Was für ein Arschloch.
    (Ich hoffe, du bekommst bald die gute ärztliche Behandlung die du verdienst und dass der Mist, der hinter den Symptomen steckt, gut therapierbar ist..)

  4. Mia said:

    Ach du scheisse, das klingt mal gar nicht gut!
    Vielleicht kann dir deine Therapeutin einen guten Allgemeinmediziner empfehlen, der dich ins Krankenhaus schickt und präzise Anleitungen für die dortigen Ärzte mitgibt? Sodass diese gar nicht mehr losinterpretieren, sondern nur die Tests durchführen müssen.

  5. Leiderleider ist das so unüblich nicht. Dass die richtigen Tests gemacht werden ist leider nicht selbstverständlich, und ganzganz viele Ärzte schauen einfach nicht den Patienten an, sondern nur und ausschliesslich die Dokumentation/Vorgeschichte. Ich habs im erweiterten Bekanntenkreis erlebt, dass ein Paraneoplastisches Syndrom als “sonderbarer, sich in bildgebender Diagnosik nicht darstellender” Schlaganfall abgetan wurde. Oder als Simulation. Man hat halt was geschrieben, was sinnvoll erschien, aber leider so ganz und gar nicht stimmte. Einfach, damit man den Patienten wieder los wird. Ich drück dir jedenfalls von Ferne die Daumen, dass man a) bald die Ursache findet, b) es nichts fieses ist und c) man dich dabei so behandelt, wie man Menschen mit Beschwerden eben behandeln sollte: anständig.

  6. Mirjam said:

    ich würd mich schriftlich beschweren!!!

    wünsche dir gute besserung.

  7. Konstantin said:

    schriftlich beschweren? wenn du aufgrund der fehlleistung des arztes auch nur eine minute unnötig gelitten hast, solltest du mal einen anwalt aufsuchen!

  8. Kathi said:

    Eigentlich dacht ich immer ich könnte mit meiner Depression,meinen Panikattacken etc mancher Leuts gegenüber offen umgehen doch wie man ja nun wieder einmal sehen musste geht das wohl doch nicht.Und das Erschreckende ist doch dabei das es hier in diesem Falle ein Arzt war der einem solch bodenlose Dinge unterstellte und nicht einfach nur irgendwer der sowieso keene Ahnung hat-nein es war ein Fachmann der uns doch eigentlich helfen sollte…
    Ich bin einfach nur fassungslos och wenn ich selber schon solch Erfahrungen machen musste von vielen Menschen auf meine psychischen Probleme reduziert zu werden-zuletzt passierte mir dies in meiner Umschulung mit einer Umschülerin aus meinem Kurs.Sie nahm sich das Recht raus nach nur 8 Wochen (in denen wir uns ne bissl kannten) zu behaupten ich wäre suizidal-Hä?Wieso dann denn ich hab da nie was von erwähnt-es war so sehr an den haaren herbei gezogen das kann man sich net vorstellen…ich war rasend vor Wut denn sie machte da in unserer Schule keen Geheimnis raus.So bekommt man dann immer wieder von den verschiedensten Menschen denen man in seinem Leben begegnet ne Stempel ”psychisch krank/gestört” weg…mich macht so was einfach nur sprachlos und wütend zu gleich!!!

      • Kathi said:

        Hallo Irene danke für deinen Hinweis ich werd mir die Seite mal was genauer anschauen :)

  9. Kathi said:

    Unglaublich!
    Ich weiß genau, was für eine Art der Stigmatisierung du meinst!
    Leider ist dieser Götterkomplex und die vollkommen narzisstische Annahme, dass man die Weißheit gepachtet hat, eine Berufskrankheit bei einigen (!) sogenannten “Medizinern”/”Ärzten”!
    Hoffe, du hast dich nicht zu sehr davon einschüchtern lassen und bist nochmal woanders hingegangen!
    Alles Gute und …
    p.s.: dein Blog ist toll!!!
    Vielleicht sieht man sich ja mal wieder irgendwie irgendwo irgendwann…

  10. Liz said:

    In den allermeisten Kliniken gibt es einen patientenbeauftragten. Wende dich da unbedingt hin. Ich hab sowas auch schon erlebt. Meine Erfahrung war, die Demütigung und die Wut ließ erst nach, als ich die Sache ausgestritten hatte.

    Wenn es keinen patientenbeauftragten gibt, kannst du dich an deine Krankenkasse wenden. Wenn du das nicht auf dir sitzenlassen willst, musst du das auch nicht. Du hast jedes recht, dich dagegen zu wehren.

  11. Habe auch die Erfahrung machen müssen, dass Psychischerkrankungen bei den weißen Halbgöttern Ungnade hervorruft.
    Oder anders, es hüllen sich viele Arschlöcher in weiße Stoffe.

    Wünsche eine schnelle Genesung.

  12. Ute Maria said:

    Liebe Kathrin,
    es tut mir leid, dass dir das passiert ist. Ich finde den Vorschlag gut etwas zu unternehmen und den Patientenbeauftragten und/oder Krankenkasse zu informieren und sei es auch nur schriftlich mit der Aufforderung einer Stellungnahme.
    Gruß, Ute Maria

  13. Lange Jahre stempelte man mich zwar leichthin mit der Diagnose “Asthma” zum chronisch Kranken ab, verweigerte mir jedoch gleichzeitig ein Notfallspray. Entweder aus Budgetgründen oder weil ich mich damit umbringen könne.
    Zwar habe ich mittlerweile einen verständnisvollen Arzt gefunden, fühle mich aber auch in seinem Wartezimmer als kleines Arsch, das sich hinten anstellen muss.
    Gerade gestern hatte ich dort wieder Gelegenheit, darüber zu meditieren, dass ich wohl in einem der wenigen Länder lebe, wo man noch auf die Idee kommt, ohne Bargeld einen Arzt aufzusuchen.
    Blühende Männer standen mir vor Augen, wie man sie vor sechzig Jahren scharenweise in Schützengräben verrecken ließ, während ich nun um mein verblühendes Leben solch Buhei mache.
    Warum soll das Leben sich mir gegenüber anders gebärden als jeder Chef, der die Wahl hat unter sechs Milliarden Bewerbern: “Schlesinger, wenn Du hier auf dieser Welt keinen Bock mehr hast, wenn Dir das alles nicht passt, kannst Du gerne gehen!”
    So muss ich alter Sack wohl mit mir umspringen lassen, in diese Schublade steckte ich mich, noch ehe ich ein Wort an den Arzt richtete.
    Verblüffend allerdings, dass sich das Leben nun offenbar selbst jungen Frauen gegenüber kaum mehr von seiner galanten Seite zeigt. Vielleicht müssen Ärzte mittlerweile nicht nur aus eigener Tasche zahlen, was sie über ihr Budget hinaus verschreiben, sondern stehen auch für jedes MRT persönlich gerade.

  14. heart_translate said:

    Das ist ja ekelhaft.
    Da könnte ich mich gerade maßlos drüber aufregen, absolut unbekannt und aus der Ferne.
    Kenne leider auch verschiedene “Arztgeschichten”, die in etwa ebenso erfreulich sind.
    Das ist ja einfach nur ekelhaft. Ein passenderes Wort fällt mir da gar nicht ein.

  15. Lila said:

    Ich glaube, bei Medizinern (erst recht in einem Klinikum) ist es mehr das Problem des Zeitmangels, dass sie zu schnell stigmatisieren. Sie suchen sich die häufigsten Ursachen und Erklärungen und schnell zum nächsten Patienten zu kommen. Gerade so sollte es ja nicht sein, aber das hat wahrscheinlich jeder schon mal erlebt, der bei einem Arzt war.

  16. prjanik said:

    Das passiert leider auch so.
    Meine Mutter hatte vor 2 Jahren einen Herzinfarkt und gleichzeitig einen leichten Schlaganfall mit kurzzeitigem Gedächtnisverlust, was die ganze Sache verkomplizierte.
    Die “einzig wichtige” Frage des Notarztes war die nach der Versicherungskarte, ob sie Trinkerin wäre (wir hatten an dem Tag n Bier getrunken gehabt, weil ich bei ihr zu Besuch war) und ob ihr Verhalten schon immer so war (wie gesagt, in der Notsituation der Gedächtnisverlust). Als ich verneinte, fragt der mich, warum das so ist auf einmal. Woher sollte ich das denn wissen, er sollte mir doch die Info geben. Mein Verdacht auf Herzinfarkt wurde erstmal abgeschmettert, denn die EKG-Werte wären wohl im grünen Bereich.
    Ins Krankenhaus durfte ich dann die Bahn nehmen, denn im Krankenwagen könnten sie mich angeblich rein rechtlich nicht mitnehmen, Geilo. Im Krankenhaus war es auch nicht besser. Der Arzt-Neuling war mit der Nachtschicht und den nicht erklärbaren Symptomen bei meiner Mutter schier überfordert. Erst paar Stunden später haben sie die Katheter-Untersuchung durchgeführt und meiner Mutter einen Stend eingesetzt. Das mit dem Schlaganfall kam erst am nächsten Tag raus. Nachdem sie endlich den Neurologen hinzugezogen haben.

    In solchen Situationen kommt man sich echt ziemlich veralbert und verarscht vor.

  17. Denise said:

    zu nem anderen arzt oder ärztin gehen?

  18. L. said:

    Kommt mir alles bekannt vor.
    Manchen Ärzten und Sanitätern sind Vorurteile und Desinteresse wichtiger als eine medizinische Hilfe.
    Habe es überlebt, dass der Notarzt meine halbseitige Lähmung ignorierte und erst mal vom Hausarzt die Bestätigung wollte, dass ich in Krankenhaus soll. Macht ja nix, Zeit hat man ja immer bei einem Schlaganfall. Ich frage mich gerade, was passiert wäre, hätte ich einen Herzinfarkt; aber dann würde ich nicht mehr hier schreiben.
    Pfuscher in Weiß!

    Ich kann auch verstehen, dass manche den behandenlden Ärzten nicht alles erzählen, wegen der Vorurteile, die dann deren Diagnostik “leiten”.

  19. Elana said:

    Was für ein Vollkoffer!
    Sag, hast du ihm von deiner medizinischen Vorgeschichte erzählt (was ja logisch wäre, man will ja kein Medikament mit Wechselwirkungen, etc) oder sieht er das in deinen Akten/über deine Krankenkasse. (Weiß nicht, wie das in Deutschland abläuft). Interessiert mich nur vom Standpunkt des Datenschutzes.

  20. Spontan fällt mir Frau Dr. Helga Pohl mit ihrer Sensomotorischen Körpertherapie ein. Sie befasst sich mit Schmerzen ohne med. Befund. Ich habe in den letzten Wochen ihr (sehr empfehlenswertes) Buch gelesen und finde das, was sie beschreibt aus meiner eigenen Erfahrung nachvollziehbar, logisch, glaubwürdig. Eventuell würde dir ihre Herangehensweise nützen. Zu finden hier: http://www.koerpertherapie-zentrum.de/
    Dir alles Gute!

  21. Irene said:

    Ich frage mich nun: Ist das Usus, dass Menschen, die einmal psychisch krank waren, fortan mit dem Stigma des psychosomatoren Freaks herumlaufen müssen?

    Zumindest habe ich solche Erfahrungen schon öfter gelesen. Auch ohne Beteiligung der Psyche – wenn jemand schon eine Krankheit hat, wird vieles darauf geschoben. Manche Ärzte haben Hemmungen (oder sind zu faul), eine eigene Diagnose zu stellen, wenn es ja schon eine zu geben scheint.

    Und in der Sache bitte dranbleiben und in eine gute ambulante neurologische Praxis gehen. Und hinterher dem Ignoranten die Diagnose um die Ohren schlagen oder sonstwas unternehmen.

    • “Es ist psychosomatisch” ist derart zur Worthülse verkommen, dass damit wohl eher weniger ein Ergebnis im Sinne des Ratsuchenden zu erwarten ist.

      „’Ich bin mein Körper’ ist in den letzten Jahrzehnten vielfach gesagt worden. Das scheint mir nicht richtig zu sein. Ich bin mehr als mein Körper, doch ich bin nie ohne meinen Körper. Was immer ich bin und erlebt habe, schlägt sich im Physiologischen und auch im Mimischen nieder; und wenn ich ‘ich’ sage, erlebe ich mich nicht nur als Körper, sondern auch als Psyche, und weder Theorie noch Glauben schalten diese phänomenologische Duplizität aus. Mit der philosophischen Auffassung vom Menschen als einer Ganzheit habe ich erkannt, daß nicht nur Krankheit von jedem Punkt der Seele oder des Körpers her entstehen kann, sondern auch Gesundheit. Heilung kann durch die Einsicht in psychodynamische Zusammenhänge , durch sexuelle und andere liebevolle Beziehungen, durch alles, was das Selbstgefühl hebt, durch die pharmakologische Herabsetzung von Symptomen, durch schöpferische Arbeit, geographische, soziale und klimatische Veränderung – je nach Situation und Persönlichkeit des Patienten – geschehen. Durch welche Pforte psychische Gesundheit auch eintreten mag, spontan oder durch gezielte Therapie, das Heilende berührt immer den ganzen Menschen – ebenso wie ein Virus, ein Gift, ein Unfall, eine psychische Verletzung usw. immer den ganzen Menschen krank machen. Der therapeutische Prozess kann vom Körper her eingeleitet werden durch Hinlenken der Konzentration auf körperliche Empfindungen.“ Ruth Cohn (Begründerin der themenzentrierten Interaktion)

  22. Sauber pariert. Ich finde die Idee, Ärzte, die nur eine Diagnose vor sich stehen sehen statt eines Menschen, uneinvernehmlich in den eigenen Körper zu stopfen, damit sie aus Schmerzen lernen, sehr gut. Die Uneinvernehmlichkeit halte ich hierbei für entscheidend. Liebe Grüße, Esther Schramm

  23. Sue said:

    Oh, da waren wir fast gleichzeitig am gleichen Ort. Auch ich kenne inzwischen dort ausreichend dieser Arschloch-Ärzte. Wobei ich die Bezeichnung Arzt, da schon nur noch widerwillig äußere.
    Ich hoffe, Du kennst noch eine andere Möglichkeit, Dir die Hilfe zu holen, die Du brauchst und die Dir auch zusteht.
    (Falls ich Dir da irgendwelche Tipps geben kann, kannst Du gerne mailen oder über meine HP Kontakt aufnehmen.)

    Ich wünsche Dir gute Besserung
    lieben Gruss sue

  24. Barbara said:

    Bedenklich und erschreckend.

    Wenn ich körperlich was habe, was wieder vollständig verheilt und ich irgendwann später wieder was habe, wird nicht zwangsläufig auf die frühere Erkrankung geschlossen.
    Nicht so bei psychischen Erscheinungsbildern. Einmal irr, immer irr – leider bei fast allen Menschen in ihren Köpfen so gespeichert. Selbst bei jenen, die sich vielleicht vordergründig sehr offen geben und von sich selbst denken, keinerlei Stigmatisierung von Betroffenen gespeichert zu haben.

    Ich kenn das. Gerade bei Ärzten. Gerechterweise muss ich dazusagen, dass es auch Ausnahmen gibt. Marc Rufer kommt mir da in den Sinn, ein Schweizer Psychiater, der sehr gute, psychiatriekritische Bücher geschrieben hat.
    Auch im privaten Bekanntenkreis kann man leider häufig die Schubladen förmlich zuklappen hören, wenn man es gewagt hat, von psychischen Schwierigkeiten zu erzählen, die man irgendwann gehabt haben mag oder noch hat.

    Warum ist das so? Das vermeintlich Fremde, der eigene Schatten ist halt leichter auf andere zu projizieren. Und dafür sind solche Menschen, die bereits einmal einen Stempel aufgedrückt gekriegt haben, bestens geeignet. Da kann man, ganz legal, jederzeit wieder stempeln, wie’s einem halt gerade passt.

    Ich erinnere mich, wie ich vor Jahren wegen einer Infektion im Bein in die Notaufnahme kam. Ich konnte vor Schmerzen kaum gehen. Nach einigen Untersuchungen trat der Arzt in der Notaufnahme an meine Liege und mit einer Handbewegung vor seinem Mund und einem eher abschätzigen Gesichtsausdruck fragte er: “Sie haben getrunken, nicht wahr?” Ich antwortete mit Nein. Ich mag absolut keinen Alkohol, trinke nie welchen! Mir würde schlicht kotzübel davon. Er meinte trotzdem: “Man riecht es!” Ich weiss auch nicht was der Mann gerochen hat. Vielleicht war sein Gehirn von zuviel Desinfektionsmittel benebelt?

    Grüsslis

  25. defekt said:

    Wenn der Arzt dich wirklich nicht weiter untersucht hat, nachdem er das mit dem Paroxetin gehört hat, würde ich mich auf jeden Fall an die zuständige Ärztekammer wenden. Es klingt ja so, als hätte es gar keine neurologische Untersuchung gegeben. Das ist dann nicht nur unverschämt (was auch schon ein Grund zur Beschwerde wäre), sondern auch grob fahrlässig.

    Hier die entsprechenden Informationen der Hamburger Ärztekammer: http://www.aerztekammer-hamburg.de/berufsrecht/beschwerdestelle.htm

    Gute Besserung!

    • Irene said:

      Die Schlichtungsstelle der Ärztekammer ist eher auf der Seite der Ärzte und wiegelt vieles ab. Im Zweifel eine unabhängige Patientenberatungsstelle konsultieren.

  26. TheCureFan said:

    Danke für diesen Artikel- sehr lesenswert!

    Meine tiefste Solidarität mit allen “Mit-Verrückten”…

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