Ich möchte mich Boris Fust anschließen.
Wer ich bin
Mein Name ist Kathrin Weßling, ich wohne in der Wrangelstraße 99 in Hamburg, ich habe drei Zimmer (viel zu viel für mich allein, ich muss ja bald nicht mehr zu Hause “arbeiten”, weil auch ich endlich begriffen habe, dass das, was ich als “Arbeit” sehe ein Geschenk an die Allgemeinheit sein muss!) und wohne im 1. Stock. Man kann mich über Skype erreichen, der Name steht im Impressum. Meine Bank ist die Hanseatische Sparkasse, aber die sperren mir bestimmt bald das Konto, weil ich ja wie gesagt endlich überzeugt wurde, dass es total unfair ist, dass ich bezahlt werde für meine “Arbeit” (die keine ist selbstverständlich).
Hinzufügen möchte ich noch, dass ich 180 cm groß bin, braune Haare und blaue Augen habe und am 14.07.1985 um ca. 3 Uhr Morgens in Ahaus (NRW) geboren wurde (meine Urheber sind meine Mutter Edith und mein Vater Erich (c) ). Ich vertrage keine Laktose, hasse Bananen und liebe Pommes. Ich esse kein Fleisch und der Rotwein, den ich am liebsten mag ist von Alnatura. Ich lebe in einer Beziehung und habe bald einen Hund.
Mein Verbrechen
Ich habe bei http://wir-sind-die-urheber.de unterschrieben.
Und (und ich winde mich schon vor Scham und Selbsthass) : Ich mag meinen Agenten. Und es wird noch schlimmer: Ich verdiene Geld mit dem Schreiben. Meine Verträge sind fair, transparant und ich freue mich unheimlich, dass ich weder das Cover meines Buches selber entwerfen, noch die Presse- und PR-Aufgaben übernehmen muss. Und am Schlimmsten: Ich kann bei meinen Verträgen mithilfe meiner Agentur absolut mitsprechen und Einspruch erheben. Ich habe sogar (und das ist echt so peinlich) das letzte Stimmrecht! Ich weiß, ich bin nicht würdig, zu existieren. Man sollte nicht nur einfach 2 Jahre harte Arbeit an meinem Buch als geschenkt betrachten, sondern auch jedwede andere Arbeit, die ich tätige.
Ich weiß, ich bin nicht würdig, Geld mit Arbeit zu verdienen. Das ist ekelhaft, ich weiß. Man sollte darüber nachdenken, endlich auch Häuser, Cafés und Bars “saugen” zu können, denn ich finde das absolut unverschämt, dass da jemand auch noch Geld für seinen Kaffee und seine Arbeit von mir verlangt. Miete will ich auch nicht bezahlen, Miete ist sozial ungerecht, ja! Früher haben die auch nichts für ihre Höhlen bezahlt und jetzt soll ich das machen?
Ich habe mich auch eines anderes Verbrechen schuldig gemacht: In meiner grenzenlosen Egozentrik dachte ich, dass es Menschen gibt, die so sehr mögen, was ich schreibe, dass sie dafür Geld bezahlen wollen. Ich weiß: Das war dumm, arrogant und narzisstisch. Natürlich hätte ich meine Bücher und Artikel von Anfang an verschenken sollen. Oder höchstens ganz lieb fragen sollen, ob ganz eventuell jemand Lust hätte, ein paar Cents…? Nein? Verstehe ich, ok. Ja, ich ficke mich ja schon selber.
Mildernde Umstände
Außerdem kann ich leider auch nicht selber denken. Deshalb habe ich mich natürlich von den bösen Agenturen und den noch böseren Verlagen “instrumentalisieren” lassen für ihre Aktionen. Wie gesagt: Das liegt daran, dass ich nicht nur eitel, arrogant und überheblich bin (Kunst ist keine Arbeit, ich weiß), sondern auch noch dumm bin. Man mag das bitte berücksichtigen bei der Urteilsverkündigung.
Meine Sühne
Ich weiß ja, dass viele nur wollen, dass das System “reformiert” wird. Das fände ich sogar auch ganz in Ordnung. Aber das reicht natürlich nicht. Denn Schriftsteller, Musiker etc. müssen sich natürlich auch schämen und dürfen niemals, ich wiederhole, niemals sagen, dass sie es ganz gut finden, wie es gerade ist, weil das natürlich sehr konservativ und zukunftsfeindlich ist und weil das auch bedeutet, dass sie auf ihrem ganzen vielen Geld sitzen bleiben möchten, während die anderen NICHTS kriegen. Ich verschenke einfach alles. Alles, alles, alles. Und mit diesem Text fange ich an: Den schenke ich euch! Bittesehr! Ganz umsonst!
PS: Bitte nehmt mich UNBEDINGT von eurer “schwarzen Liste”, ich möchte so gerne, dass Menschen wie ihr meine Bücher klauen… äh, kaufen.


